Tübingen: Alkohol-Prävention als wichtiger Teil der Jugendarbeit

Die schwäbische Universitätsstadt Tübingen betrachtet Alkohol-Prävention als einen wichtigen Teil ihrer offiziellen Jugendarbeit. Im Zentrum stehen dabei “lebensweltorientierte” Programme, die von einer Projektgruppe der Stadt- und Kreisverwaltung gesteuert werden. Im Tübinger Sozialausschuss wurden jetzt zwei aktuelle Aktionen präsentiert – ein interaktives Präventionsmodell und die “Trink:bar”, die seit 2011 bereits auf verschiedenen Festivals im Einsatz war und künftig zu einem festen Programmpunkt der Präventionsarbeit in Tübingen werden soll.

“Mädchen Sucht Junge” – interaktives, geschlechtsspezifisches Präventionsmodul

“Mädchen Sucht Junge” ist eine interaktives und moderiertes Präventionsmodul, das bisher neun Schulklassen in verschiedenen Tübinger Schulen angeboten wurde. Die Moderatoren – ausgebildete Sucht-Therapeuten und Sozialarbeiter – haben dafür ein geschlechtsspezifisches Konzept gewählt, das sich an Jugendliche ab 13 Jahren wendet. Mit den Teilnehmern der Workshops werden am Ende Zielvereinbarungen getroffen, die sich auf das alltägliche (Trink-) Verhalten oder auch den Umgang mit Alkohol auf Klassenfahrten beziehen können. Die Ziele von “Mädchen Sucht Junge” bestehen in Selbstreflektion und sowie einer fortlaufenden und kritischen Diskussion des Themas Alkohol durch die Jugendlichen selbst.

“Trink:bar” – “Peer to Peer”-Prävention mit mobiler Cocktailbar

Die “Trink:bar” ist ein Präventions-Projekt, dass durch die Stadt Tübingen sowie zwei andere Träger in diesem Jahr mit zunächst 20.000 Euro gefördert werden soll. An der mobilen Cocktailbar sind selbstverständlich nur alkoholfreie Drinks im Angebot. Prävention soll hier nach dem “Peer to Peer”-Prinzip erfolgen – auch hinter dem Tresen stehen Jugendliche und junge Erwachsenen, die ihren Altersgenossen leckere Alkohol-Alternativen zeigen und damit beweisen wollen, dass “Spaß” auch ohne alkoholische Getränke möglich ist. Die Mitarbeit in der “Trink:bar” ist bei Tübinger Jugendlichen inzwischen sehr begehrt – zur Vorbereitung werden Barkeeper-Schulungen durchgeführt, an denen bisher 50 Jugendliche teilgenommen haben und für die es eine Warteliste gibt.

In der öffentlichen Diskussion beider Projekte meldeten sich allerdings auch kritische Stimmen. Gefragt wurde beispielsweise, ob diese Präventionsmaßnahmen Jugendliche, die bereits Alkoholprobleme haben, überhaupt erreichen – die Initiatoren meinen: Ja, durch “Mädchen Sucht Junge” und die “Trink:bar” werde ein “ständiger Austausch” zwischen verschiedenen “Peer Groups” Jugendlicher in Gang gesetzt. Interessant: Alkoholverbote wurden von den meisten Teilnehmern der städtischen Diskussions- und Entscheidungsrunde zugunsten aufklärender Präventionsmaßnahmen abgelehnt.

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Datum: Montag, 15. Oktober 2012 10:47
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