Alkohol-Testkäufe im Einzelhandel bringen teils erschreckende Ergebnisse

Sommerzeit ist Ferienzeit – und für viele Jugendliche leider auch Trinkzeit am Badesee oder im Park. Die leichte Zugänglichkeit von alkoholischen Getränken in Supermärkten sowie an Tankstellen und Kiosken erweist sich hier als problematisch. Das Jugendschutzgesetz regelt zwar eindeutig, dass Wein und Bier erst an Jugendliche ab 16 Jahren abgegeben werden dürfen, branntweinhaltige Getränke sind ausschließlich Erwachsenen respektive Personen ab 18 Jahren vorbehalten. Testkäufe in verschiedenen Städten und Regionen zeigen jedoch, dass diese Regelungen in der Praxis oft keine Rolle spielen.

Negativmeldungen kamen unter anderem aus Bremen, Einbeck sowie verschiedenen bayrischen Kommunen. In Bayern sind die Testkäufe alkoholischer Getränke politisch akzeptiert – die bayrische Familienministerin Christine Haderthauer forderte die Gemeinden ihres Bundeslandes erst vor kurzem auf, entsprechende Aktivitäten zu intensivieren. Die Politikerin verspricht sich davon unter anderem eine disziplinierende Wirkung für den Einzelhandel. Anderenorts – so etwa in Hamburg – sind Testkäufe durch Kinder und Jugendliche dagegen nach wie vor umstritten.

Augsburg – Verstöße in 48 Prozent der kontrollierten Läden

Augsburg meldete jetzt den Abschluss seiner zweiten Testkauf-Runde. Als Testkäufer kamen neun Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren zum Einsatz, die in den Einrichtungen der Stadt eine Ausbildung absolvieren und in insgesamt 173 Abgabestellen für Alkohol nach hochprozentigen Getränken fragten. Das Ergebnis der Testkäufe im Einzelhandel erwies sich als erschreckend: 48 Prozent der Geschäfte gaben branntweinhaltige Getränke illegal an Jugendliche ab, in 25 Prozent aller Fälle wurde vorab überhaupt kein Altersnachweis abgefragt. Außerdem stellte sich bei den Tests heraus, dass viele Einzelhandels-Mitarbeiter eher mangelhafte Kenntnisse über die Definition branntweinhaltiger Getränke haben.

Geschäfte mit illegalen Alkoholverkäufen erhielten eine “rote Karte” und Bußgeldbescheide über bis zu 200 Euro, Läden ohne Jugendschutz-Verstöße dagegen eine “grüne” Glückwunschkarte sowie eine Bescheinigung über die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen. Positive Resonanz auf die Aktion kam von unbeteiligten Kunden sowie den Dachverbänden des Einzelhandels, die im Vorfeld durch Mitteilung der Stadt von den Testkäufen wussten. Augsburg will auffällig gewordene Verkaufsstellen jetzt “beobachten” und bei zukünftigen Testkäufen auch Spielhallen und Gastronomie-Betriebe einbeziehen.

Erfolgsmeldungen aus Würzburg

Andere Kommunen äußerten sich sehr widersprüchlich zu den Tests. Ein Sprecher der Stadt Würzburg zeigte sich überzeugt, dass die in diesem Jahr zum dritten Mal durchgeführten Tests zu einem deutlichen Rückgang Jugendschutz-widriger Alkoholverkäufe beigetragen haben. 2010 hatten 57 Prozent der kontrollierten Einzelhändler alkoholische Getränke illegal an Jugendliche abgegeben, im vergangenen Jahr waren es immerhin noch 42 Prozent, in diesem Jahr gab es Negativ-Berichte dagegen nur noch aus acht Prozent der Läden. “Desaströse” Resultate meldete dagegen das niedersächsische Einbeck, wo Alkohol teilweise sogar nach erfolgter Altersprüfung an die 15 und 16 Jahre alten Testkäuferinnen abgegeben wurde.

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Datum: Freitag, 24. August 2012 11:49
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