Universität St. Gallen: Aktuelle Burnout-Studie für den deutschen Mittelstand

Das Institut für Führung und Personalmanagement (I. FPM) der Universität St. Gallen hat eine aktuelle Trendstudie zur Burnout-Gefährdung in mittelständischen Unternehmen vorgelegt. Die Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Heike Bruch und Sandra Kowalevski erhoben dafür deutschlandweit Daten von 14.701 Beschäftigten in 94 Unternehmen verschiedener Branchen und einem Personalbestand von 20 bis 4.000 Mitarbeitern.

Burnout – für den deutschen Mittelstand noch kein akutes Thema

Für die Studie beantworteten Manager, Mitarbeiter und Personalexperten einen Fragenkatalog von insgesamt 200 Fragen, die sich mit strukturellen Voraussetzungen ihrer Organisationen ebenso befassten wie mit ihrer individuellen Arbeitssituation. Als Fazit: Burnout ist für den deutschen Mittelstand (noch) kein akutes Thema. 87 Prozent der untersuchten Firmen bescheinigten die Mitarbeiter eine gute bis sehr gute Balance der Arbeitsbelastung.

“Gemeinschaftsgefühl” und ihre persönliche Übereinstimmung mit den Unternehmenswerten bewerteten 97 Prozent der Befragten als positiv. 75 Prozent der Mitarbeiter fühlen sich durch ihre Führungskräfte anerkannt. Trotzdem zeigt die Studie einige Warnsignale auf: Nur 41 Prozent der Mitarbeiter erleben eine ausgeglichene Work-Life-Balance und sind mit ihren beruflichen Entwicklungsperspektiven nachhaltig zufrieden, gerade einmal 17 Prozent der Befragten bewerten ihre Gehaltssituation als sehr oder weitgehend angemessen.

Kollektiver Burnout – die “Beschleunigungsfalle” betrifft die Hälfte aller Unternehmen

Die beiden Wissenschaftlerinnen gingen – analog zu anderen Studien – davon aus, dass das Zusammentreffen dauerhafter Verausgabung im Beruf sowie nicht ausreichender Gratifikationen durch Gehalt, berufliche Anerkennung und Entwicklungsperspektiven die Burnout-Gefährdung der Beschäftigten erhöht. Spannend ist daneben ihre Unterscheidung eines individuellen und kollektiven Burnouts: Unternehmen gelangen in eine sogenannte “Beschleunigungsfalle” immer dann, wenn die Firmenleitung den allgemeinen Markt- und Dynamisierungsdruck in Form erhöhter Leistungsvorgaben, verkürzter Innovationszyklen und fluktuierender Management-Strukturen an die Belegschaft weitergibt – für die Mitarbeiter folgen daraus Überlastung/Mehrfachbelastung und in letzter Konsequenz dauerhafte Belastung und damit auch ein erhöhtes individuelles Burnout-Risiko.

Die Autorinnen der Studie gingen bereits in früheren Publikationen davon aus, dass – unter Berücksichtigung von Branchen- und Größenunterschieden – etwa die Hälfte aller deutschen Unternehmen von dieser Konstellation betroffen ist.

Die Handlungsempfehlungen von Bruch und Kowalevski wenden sich insbesondere an Führungskräfte. Diese sollten – nicht zuletzt im Hinblick auf ihre Vorbildfunktion im Unternehmen – zuallererst auf ihre eigene psychische Gesundheit und Work-Life-Balance achten, im Unternehmensalltag Frühwarnsysteme für Überlastung und Burnout sowie eine generelle “Kultur der Achtsamkeit” etablieren. Auf der strukturellen Ebene bestehe ihre Aufgabe unter anderem darin, strategische Ziele auch unter dem Aspekt “Burnout-Risiko” zu formulieren und zu kommunizieren, Prioritäten zu setzten und auch den Mitarbeitern Raum für Priorisierung und den aktiven Wechsel von Hochleistungsphasen und Erholung einzuräumen.

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Datum: Montag, 14. Mai 2012 11:55
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