DGB-Studie: Arbeitsstress und Burnout-Gefahr sind in der modernen Arbeitswelt die Regel

Der DGB hat eine aktuelle “Burnout“-Studie vorgelegt und fordert jetzt von Politik und Arbeitgebern Reaktionen. Für die repräsentative Erhebung wurden mehr als 6.000 Arbeitnehmer aus verschiedenen Branchen und Hierarchiestufen befragt, die Ergebnisse sind alarmierend: 52 Prozent der Interviewten gaben an, dass sie häufig “gehetzt” arbeiten müssen, 63 Prozent konstatierten ein kontinuierlich wachsendes Arbeitsaufkommen in der gleichen Zeit. Zwei Drittel aller Arbeitnehmer leisten regelmäßig Überstunden, bei 20 Prozent beläuft sich die Mehrarbeit auf mehr als zehn Wochenstunden. Das Fazit: Arbeitsstress ist heute keine Ausnahme, sondern die Regel.

Zeitdruck und fließende Grenzen zwischen “Arbeiten und Leben”

“Arbeitshetze” sei dabei nicht auf bestimmte Branchen oder spezielle berufliche Anforderungsprofile beschränkt. Einige Arbeitnehmergruppen erreichten trotzdem überdurchschnittlich hohe Werte: Arbeitnehmer mit Arbeitszeiten von 45 + Stunden pro Woche (66 Prozent), Führungskräfte (60 Prozent) und Frauen mit Vollzeitstellen (58 Prozent). Beschäftigte mit Kunden-, Klienten- oder Patientenkontakten fühlen sich mit 56 Prozent häufiger “gehetzt” als andere, die nur zu 45 Prozent über Termindruck klagen. In der Gastronomie ist der Zeitdruck mit 70 Prozent besonders groß, ebenso in Gesundheits- und Sozialberufen (65 Prozent) sowie im Baugewerbe (60 Prozent). Öffentliche Verwaltung, Bundeswehr und Sozialversicherungen bieten dagegen – mit 43 Prozent “gehetzter” Arbeitnehmer – einen eher ruhigen Arbeitsplatz.

Ebenso problematisch sind die fließenden Grenzen zwischen Berufsarbeit und Privatem: Etwa 25 Prozent der Interviewten müssen auch in ihrer Freizeit für den Arbeitgeber erreichbar sein, jeder siebente Arbeitnehmer arbeitet nach Feierabend unbezahlt für seine Firma. Jeder Dritte schafft ganz allgemein nicht, zu Hause abzuschalten. Fast 50 Prozent der Befragten waren mehr als einmal trotz ernsthaften Krankheitsgefühls an ihrem Arbeitsplatz erschienen.

Gewerkschaften fordern “Anti-Stress-Verordnung”

Die Studie bestätigte zwei “Megatrends” in der modernen Arbeitswelt – wachsenden Termin- und Leistungsdruck sowie die “Entgrenzung” von Arbeit und Leben. Gleichzeitig setzen die Unternehmen auf intensivere Selbststeuerung und Selbstmotivation der Arbeitnehmer – Stichwort unter anderem: Projektarbeit. Bei zu geringen Ressourcen für die “selbst” gesetzten Ziele sind “psychische Fehlbelastungen” nicht unwahrscheinlich. Auch hierzu lieferten die Gewerkschaften Zahlen – seit 1994 sind Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen um 80 Prozent gestiegen, das Krankheitsbild “Burnout” ist in den letzten Jahren geradezu explodiert.

IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Urban forderte deshalb jetzt von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen erneut eine “Anti-Stress-Verordnung”. Eine Kampagne für einen entsprechenden “Bewusstseinswandel in Unternehmen” hatte die Ministerin bereits in der Vergangenheit gestartet, eine Gesetzesinitiative ist damit bisher jedoch nicht verbunden.

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Datum: Freitag, 6. April 2012 9:00
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