Burnout & Co. – Volkskrankheit mit wirtschaftlichen Folgen

Professor Dr. Stefan Ahrens, Leiter des Fachzentrums für Stressmedizin in Hamburg, bezeichnete das Burnout-Syndrom in einem Interview vor kurzem als die “erste psychosoziale Epidemie der Menschheit”. Als Ursachen dafür benannte er unter anderem zunehmenden Leistungsdruck, Perfektionismus, fortlaufende Umstrukturierungen sowie die generelle Unsicherheit von Arbeitsplätzen und Karrierezielen, was im Extremfall nicht zuletzt zu Mobbing und/oder subtilen Ausgrenzungsmechanismen durch Vorgesetze führe.

Die Bundesregierung beantwortete jetzt eine parlamentarische Anfrage der Linken zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz mit einer ausführlichen Statistik. Die linke Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann konstatierte daraufhin, dass Burnout & Co. dabei sind, zur “neuen Volkskrankheit” zu werden. Von den Grünen kam – auch im Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Kosten arbeitsbedingter psychischer Erkrankungen – die Forderung nach “schnellstmöglichen” politischen Gegenschritten, darunter der Eindämmung von prekären Beschäftigungsverhältnissen, Leiharbeit und befristeten Verträgen.

Fehltage und Frühverrentungen wegen psychischer Probleme steigen drastisch an

Laut Bundesarbeitsministerium ist die Anzahl der Fehltage wegen psychischen Erkrankungen in der letzten Dekade drastisch angestiegen – von 33,6 Millionen im Jahr 2001 auf 53,5 Millionen Tage 2010. Im gleichen Zeitraum stieg ihr prozentualer Anteil an den betrieblichen Fehlzeiten insgesamt von knapp sieben auf 13 Prozent. Auch die Anzahl der Erwerbsminderungsrenten aufgrund psychischer Erkrankungen setzt deutliche Signale: Im Jahr 2000 wurden 19.000 Männer wegen entsprechender Probleme vorzeitig verrentet, 2010 gab es bereits 31.700 Fälle, was einem Anstieg um 66 Prozent entspricht.

Noch drastischer gestaltet sich die Situation bei Frauen – Frühverrentungen wegen psychischer Erkrankungen sind hier im gleichen Zeitraum um 97 Prozent respektive von 20.000 auf 39.000 Fälle angestiegen.

Rechtliche Gegenmaßnahmen sind vorerst nicht geplant

In ihrer Stellungnahme nannte die Bundesregierung die gleichen Gründe wie auch der Hamburger Professor: Steigende Anforderungen, erhöhte individuelle Verantwortung, flexiblen Personaleinsatz und nichtkontinuierliche Beschäftigungsverhältnisse. Vor allem Leiharbeiter seien unter Bedingungen tätig, die nicht gesundheitsfördernd sind.

Rechtliche Konsequenzen sind allerdings vorerst nicht geplant – die Bundesregierung will zunächst den “Wissens- und Kenntnisstand” zu dem Problem erweitern und diesen dann mit Arbeitgebern sowie Gewerkschaften “erörtern”. Derzeit setze der Bund vor allem auf die aktuelle Novelle der “Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie” (GDA), die ab 2013 die” Vermeidung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz” als ein explizites Ziel umfasst. Konkrete Schutzmaßnahmen gegen Stress und Burnout würden allenfalls nach Erfahrungen mit diesem – eher informellen – Instrumentarium erwogen.

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Datum: Freitag, 18. Mai 2012 11:27
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