Bundesarbeitsministerin von der Leyen fordert klare Regeln für Erreichbarkeit im Job

Burnout und andere psychische Erkrankungen, die ihre Ursache im Arbeitsleben haben, werden zunehmend zu einem volkswirtschaftlichen Faktor und damit zum Politikum. Experten schätzen, dass die Krankenkassen allein im letzten Jahr dafür etwa 6,3 Milliarden Euro ausgegeben haben – psychische Probleme mit Wurzeln in der Arbeitswelt stellen damit den größten finanziellen Posten im Gesundheitswesen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen meldete sich jetzt mit einem speziellen Punkt zu Wort und forderte angesichts der immer höheren Stressbelastung von den Unternehmen klare Regelungen für den Umgang mit Smartphones, Handys und Computern.

Von der Leyen: Geltendes Arbeitsrecht ermöglicht wirksame Burnout-Prävention

Die Ministerin forderte in einer Stellungnahme gegenüber “BILD”, dass es klare Regelungen für die Erreichbarkeit von Mitarbeitern geben müsse und wann Ruhezeiten möglich sind, die nicht durch arbeitsbezogene Telefonate oder E-Mails unterbrochen werden. Von der Leyen führte dafür den “knallharten Strafenkatalog” des Arbeitsschutzgesetzes an, der von jedem Chef verlange, dass er “Körper und Geist der Mitarbeiter aktiv schützt”. Auf der technischen Ebene seien Smartphones und Co. kein direkter Auslöser für gesundheitliche Probleme, wir müssten jedoch lernen “vernünftig damit umzugehen”.

Fakt ist, dass ständige Erreichbarkeit für viele Arbeitnehmer ein Problem ist, das sie auch nach Feierabend nicht zur Ruhe kommen lässt. Gleichzeitig setzen viele Chefs voraus, dass ihre Mitarbeiter auch in ihrer Freizeit auf Anfragen per Handy oder E-Mail direkt reagieren und damit umgehend wieder in den “Arbeits-Modus” schalten. Verschärft wird das Problem dadurch, dass auch die Chefs in der Regel Vorgesetze haben – das Erreichbarkeits-Dogma zieht sich durch die Hierarchien und gilt in vielen Unternehmen als ungeschriebenes Gesetz. Auch die neue Technik wirkt hier unterstützend – durch das Firmen-Smartphone sind die Mitarbeiter praktisch immer online, solange keine betriebsinternen Limits existieren.

Gesetze zur Burnout-Prävention – “kulturelle Zeichen” für die Unternehmen?

Frau von der Leyen legte mit ihrer Forderung jetzt zwar scheinbar den Finger in eine offene Wunde – inkonsequent ist ihre Aussage jedoch trotzdem. Gewerkschaften, Gesundheits-Experten und Krankenkassen fordern seit längerem gesetzliche Initiativen zur Burnout-Prävention, die entsprechende Probleme konkret formulieren und mit Sanktionen ahnden – das Bundesarbeitsministerium verwies bisher auf angeblich ausreichende bestehende Gesetze. Ein neuer rechtlicher Rahmen für die Burnout-Prävention würde für die Unternehmen auch “kulturelle” Zeichen setzen – wer bisher auf der eigenen Work-Life-Balance besteht und sich dem Erreichbarkeitsgebot nicht fügt, riskiert schnell den Job oder zumindest seine weitere Karriere.

Die “Frankfurter Rundschau” veröffentlichte zum letzen Jahreswechsel einige Zahlen, welche die tatsächliche Dimension der Frage unterstreichen – demnach waren 71 Prozent aller Beschäftigten über die Feiertage und auch in einem eventuellen Urlaub für ihre Chefs erreichbar.

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Datum: Mittwoch, 13. Juni 2012 11:29
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