Wirksame Alkohol-Prävention – am besten schon im Kindesalter

Im Dezember 2012 förderte eine Sonderauswertung der Todesursachenstatistik Alarmierendes zutage. Pro Jahr sterben demnach in Deutschland rund 15.000 Menschen an den unmittelbaren Folgen von Alkoholsucht und Alkoholmissbrauch. Statistisch gesehen fokussiert sich das Problem auf die ostdeutschen Bundesländer. Als Spitzenreiter in dieser Negativ-Statistik erwies sich Mecklenburg-Vorpommern, wo auf 100.000 Einwohner pro Jahr 36 alkoholbedingte Todesfälle kommen. Zum Vergleich: In den westdeutschen Flächenländern Baden-Württemberg und Bayern sterben pro 100.000 Einwohner jährlich 13 respektive 14 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Als Ursache für den vergleichsweise hohen Alkoholkonsum und seine potentiell tödlichen Folgen in den neuen Bundesländern identifizierten die Experten die historisch gewachsene Trinkkultur der früheren DDR sowie die stärkere Ausprägung sozialer Probleme und vor allem die hohe Arbeitslosigkeit.

Die Suchtberaterin Anne Greiser und ihr Mitarbeiter Stefan Baetke aus der Mecklenburg-Vorpommerschen Stadt Grevensmühlen plädierten vor diesem Hintergrund jetzt für einen generell veränderten sozialen Umgang mit alkoholischen Getränken und verstärkte Präventionsarbeit. Die beiden Suchtexperten, die auch privat ein Paar sind, betreiben in Grevensmühlen den Betreuungsverein “Der Weg”, der sich an alkoholkranke und suchtgefährdete Patienten wendet.

Alkoholkonsum und Alkoholsucht als gesellschaftliche Probleme wahrnehmen

Anne Greiser betonte im Interview mit der Online-Ausgabe der “Lübecker Nachrichten” ausdrücklich, dass es nicht reiche, wenn die Medien immer wieder das “Koma-Saufen” Jugendlicher zum Thema machten. Aus ihrer Sicht gehen die Ursachen für Alkoholprobleme weitaus tiefer. Mit ihrer Arbeit möchten Anne Greiser (35) und Stefan Baetke nicht nur Menschen beim Ausstieg aus der Sucht begleiten, sondern insgesamt erreichen, dass Alkoholkonsum und Alkoholsucht explizit als gesellschaftliche Probleme wahrgenommen werden.

Beispiel Grevensmühlen: Alkoholprobleme verorten die Einwohner der Stadt im Norden vor allem bei den stadtbekannten Alkoholikern, die ihren “Stoff” vor Supermärkten und an anderen öffentlichen Orten trinken. Außerhalb ihrer Wahrnehmung bliebe jedoch fast immer das “soziale Glas“, das für die weitaus meisten Menschen zu den verschiedensten öffentlichen und privaten Anlässen gehört und für einen Teil von ihnen den Weg in eine Sucht-Karriere ebne. Ebenso problematisch sei, dass die alkoholkranken Patienten, die sich durch den Verein “Der Weg” betreuen lassen, immer jünger werden.

Greiser nannte in diesem Kontext einige aktuelle Zahlen – so sind in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2011 allein an einer Leberzirrhose 356 Menschen verstorben. Neben lebensgefährlichen Lebererkrankungen gehören auch Herzkreislauferkrankungen, Krebs und psychische Symptome bis hin zu ausgeprägten Depressionen zu den Risiko-Potenzialen bei Alkoholmissbrauch.

Hilfsangebote werden von Alkoholkranken bisher nicht optimal genutzt

In Grevensmühlen ebenso wie landesweit gebe es zwar zahlreiche Hilfsangebote für alkoholgefährdete und -abhängige Menschen, die bisher jedoch nicht in optimalem Umfang angenommen würden. Viele Betroffene suchten sich erst dann professionelle Hilfe, wenn sie durch ihren Alkoholmissbrauch gravierende Probleme – Führerscheinentzug, Trennung oder Jobverlust – bekämen. Vor allem junge Menschen unterschätzten außerdem die Suchtgefahr durch Alkohol und ihre gesundheitlichen und sozialen Folgen.

Die nordmecklenburgische Amtsärztin Uta Stahlhacke hält es deshalb für nötig, einer Alkoholsucht bereits im Kindesalter vorzubeugen und die Kids durch frühzeitige Aufklärungskampagnen stark, kommunikationsfähig und selbstbewusst zu machen. Wer bereits als Kind gelernt habe, Konflikte zu lösen anstatt sich zu betäuben, könne auch als Erwachsener der Gefahr des Alkoholmissbrauchs viel besser widerstehen.

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Datum: Montag, 14. Januar 2013 11:44
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