WHO-Studie: Jungen aus reichen Elternhäusern trinken mehr

Eine Studie der Universität Bielefeld, die im Auftrag der WHO erhoben wurde, führte jetzt einige gängige Vorurteile ad absurdum. Für die Studie wurden bundesweit über 5.800 Schülerinnen und Schüler der fünften, siebten und neunten Klassen befragt. Die Wissenschaftler wiesen unter anderem nach, dass Jungen aus wohlhabenden Elternhäusern Alkohol öfter und exzessiver konsumieren als in anderen sozialen Schichten. Kinder und Jugendliche aus Elternhäusern mit zwei aus dem Ausland stammenden Eltern trinken dagegen nur halb so häufig wie deutsche Schüler.

Der regelmäßige Konsum von Alkohol ist bei Jungen deutlich stärker ausgeprägt. Mindestens 11 Prozent von ihnen greifen mindestens einmal in der Woche zu einem alkoholischen Getränk, bei den Mädchen sind es circa sechs Prozent. Die beliebtesten Getränke sind dabei Bier und Biermixgetränke sowie Alkopops.
Anlass zur Besorgnis gibt das Einstiegsalter der Befragten: 8,5 Prozent der Jungen in der Altersgruppe zwischen 11 und 15 Jahren trinken mindestens einmal in der Woche Alkohol.

Muslimischer Migrationshintergrund als Alkohol-Barriere

Die deutlich niedrigeren Zahlen für Jungen und Mädchen mit vollständigem Migrationshintergrund interpretierte Professorin Petra Kolip, welche die Studie koordinierte, dahingehend, dass viele von ihnen aus einem muslimischen Umfeld stammten, dessen kulturelle und religiöse Regeln den Genuss von Alkohol wirksam limitieren. Kinder mit nur einem Elternteil mit ausländischen Wurzeln zeigten dagegen weitgehend das gleiche Trinkverhalten wie ihre Altersgenossen ohne Migrationsbezug.

Wein und Sekt trinken Kinder aus Migranten-Familien interessanterweise etwas öfter als deutsche Schüler – laut Kolip könnte dies jedoch auch an einem “statistischen Fehler” durch die insgesamt sehr geringe Datenbasis für diese Getränke liegen. Eine Rolle spielen bei diesem Kreis der Interviewten möglicherweise mediterrane Ess- und Trinkgewohnheiten in den Elternhäusern.

Höhere soziale Schichten – höheres Alkohol-Risiko für Jungen

Riskanter Alkoholkonsum wird von der Öffentlichkeit in der Regel in “sozial schwachen” Milieus verortet – in dieser Hinsicht bot die Studie eine Überraschung. Die Bielefelder Zahlen zeigten zwar, dass Risiken durch Alkohol in allen sozialen Schichten gegeben sind – bei einem wohlhabenden bis reichen familiären Hintergrund kommen sie jedoch mindestens bei Jungen vergleichsweise deutlicher zum Tragen.

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Datum: Montag, 5. März 2012 16:19
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