Warum Sie nach zu viel Alkohol doppelt sehen

Alkohol ist ein Nervengift und wirkt auf alle Körperzellen. Selbstverständlich wird bei übermäßigem Alkoholkonsum auch das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen. Soweit die Theorie – noch stärkere Argumente gegen Alkoholmissbrauch liefert eine Detailbetrachtung, die erklärt, was dabei im Einzelnen vor sich geht. Bei einer akuten Alkoholvergiftung – also bei jedem Rausch und unabhängig davon, ob dieser als “Genuss” oder tatsächlich als Vergiftung wahrgenommen wird – wirkt Alkohol vor allem auf Hirnstamm sowie das Kleinhirn. Diese beeinflussen unter anderem Gleichgewichtskontrolle, Motorik, Sprache sowie Wachheit. In der aktuellen Forschung werden dem Kleinhirn inzwischen auch wichtige Funktionen bei höheren kognitiven Abläufen zugeordnet. Eine durch Alkohol beeinträchtigte Tätigkeit des Kleinhirns führt unter anderem zu unsicheren Bewegungen, Lallen oder Doppeltsehen.

Sehen – komplexer Vorgang zwischen Augen und Gehirn

Normales Sehen ist ein sehr komplexer Vorgang, bei dem das Gehirn die Sinneswahrnehmung beider Augen blitzschnell zu einem einzigen dreidimensionalen Bild zusammenführt. Voraussetzungen dafür sind synchrone Augenbewegungen sowie ein paralleler Blick. Wenn diese Synchronität gestört wird – beispielsweise bei schielenden Augen oder eben unter Alkohol – verarbeitet das Gehirn die Bilder jedes Auges einzeln. Es entstehen also Doppelbilder.

Alkohol beeinträchtigt die Funktionen neuronaler Botenstoffe

Wissenschaftler vermuten, dass Alkohol die Tätigkeit von bestimmten Kleinhirn-Nervenzellen stört, welche die Steuerung der Augenbewegung unterstützen. Dieser Mechanismus wird – wie viele andere Vorgänge im Körper – durch bestimmte Neurotransmitter reguliert. Am Sehvorgang ist in dieser Dimension unter anderem GABA (Gamma-Aminobuttersäure) beteiligt. Alkohol und GABA docken möglicherweise im Kleinhirn an dieselben Rezeptoren an. Ersterer bewirkt, dass sich der Botenstoff nicht mehr rechtzeitig von den Nervenzellen lösen kann und damit ihre Arbeit hemmt. Wann Angetrunkene tatsächlich ihre Umwelt doppelt sehen, hängt von der individuellen Reaktion auf alkoholische Getränke ab, bei der unter anderem Gewicht und Körpergröße eine Rolle spielen. Lallen und Gleichgewichtsstörungen durch Alkoholkonsum entstehen im Prinzip nach dem gleichen Muster. In der Praxis sollten die Trinkenden spätestens zu diesem Zeitpunkt auf Alkohol verzichten und stattdessen reichlich Wasser zu sich nehmen. Damit werden derartige, unter Umständen sogar gefährliche, Symptome sowie die durch den Alkohol erzeugte Dehydrierung reduziert. Der Promillewert im Blut ist davon allerdings nicht betroffen.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer illustriert dieses Beispiel in perfekter Form, in welchem Maße sich Alkohol auf komplexe Körpervorgänge auswirkt und dadurch sehr schnell akute Folgen zeitigt. Bei einem längerfristigen Alkoholmissbrauch entstehen irgendwann dauerhafte Schäden, die ihren Ursprung in der gestörten Tätigkeit von Zellen, Nerven und neuronalen Botenstoffen haben. Wir plädieren deshalb dafür, sich abzeichnende Alkoholprobleme so früh wie möglich anzugehen. In unseren Intensivtrainings zur Alkohol-Prävention finden Sie dafür einen “geschützten Raum” und erfahrene therapeutische Begleiter.

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Datum: Dienstag, 28. Mai 2013 11:25
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