US-amerikanische Sucht-Therapeuten: Akzeptanz für “kontrolliertes Trinken” steigt

Eine aktuelle Studie aus den USA belegt, dass viele Therapeuten heute nicht mehr auf lebenslanger Abstinenz als Voraussetzung und Ziel einer Therapie von Alkoholproblemen bestehen. Für die Erhebung befragte ein Forscherteam der Bowling Green State University Ohio landesweit über 900 Sucht-Therapeuten, die im US-Berufsverband der “Alcoholism and Drug Addiction Counselors” organisiert sind. Rund die Hälfte der befragten Psychologen und Psychiater gab an, dass sie es für akzeptabel halten, wenn Menschen mit Alkoholproblemen statt Totalabstinenz eine Reduktion ihres Alkoholkonsums wünschen. Die Zahl der Befürworter “kontrollierten Trinkens” unter den Therapeuten hat sich damit in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

Totalabstinenz galt in den USA ebenso wie in Deutschland lange als ein Dogma in der Therapie der Alkoholsucht. Trotzdem musste die überwiegende Anzahl trockener Alkoholiker nach erfolgter Suchtbehandlung mit einem Rückfall rechnen. Deutsche Medizinstatistiken weisen in den ersten beiden Jahren nach dem Abschluss einer Therapie Rückfall-Quoten von bis zu 90 Prozent der Alkohol-Patienten aus. Das Rückfall-Risiko ist besonders dann brisant, wenn die körperliche Entwöhnung nicht von einer Psychotherapie begleitet wird. Die Autoren der Ohio-Studie betonten, dass diese keinen Aufschluss darüber gebe, ob “kontrolliertes Trinken” im Vergleich zum Abstinenz-Konzept bessere Therapie-Ergebnisse nach sich ziehe.

Kontrolliertes Trinken – Option für Menschen ohne klinisch manifeste Alkoholsucht

Die Erhebung gibt unter anderem denjenigen US-Amerikanern mit Alkoholproblemen Hoffnung, die sich nicht vorstellen können oder wollen, lebenslang vollständig auf alkoholische Getränke zu verzichten, aber für die Reduzierung ihres Alkoholkonsums professionelle Hilfe brauchen. Aus der Erhebung geht klar hervor, dass sie inzwischen gute Chancen haben, einen Therapeuten zu finden, der ihren Wünschen offen gegenüber steht. Allerdings machten viele Befürworter des “kontrollierten Trinkens” deutlich, dass sie dabei zwischen regelmäßigem Alkoholmissbrauch und einer voll ausgeprägten Alkoholsucht unterscheiden. Bei einer klinisch manifesten Alkoholkrankheit mit Entzugserscheinungen und/oder völligem Kontrollverlust über den Alkoholkonsum befürworten zwei Drittel der Therapeuten auch weiterhin die Totalabstinenz als Ziel der Therapie.

Therapieerfolge mit “kontrolliertem Trinken”

Der Vorreiter des “kontrollierten Trinkens” als Alternative zur totalen Abstinenz war in Deutschland der Nürnberger Psychologe Dr. Joachim Körkel, der seit über 13 Jahren daraus ein komplexes Therapie-Konzept entwickelt hat. Nach eigenen Angaben erreichen rund 75 Prozent der Teilnehmer seiner Praxis-Trainings an der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg damit, ihren Alkoholkonsum dauerhaft auf ein wenig riskantes Maß zu senken. Zehn bis 30 Prozent der Kursteilnehmer entscheiden sich irgendwann doch für ein völlig abstinentes Leben – ihre Rückfall-Quote ist identisch mit den Rückfall-Zahlen von Patienten, welche die konventionelle Abstinenz-Therapie durchlaufen haben.

Die Sucht-Experten der Gesundheitsakademie Schmidbauer meinen, dass die Entscheidung zwischen Abstinenz und “kontrolliertem Trinken” absolut in Ihrer Hand liegt. In unseren Intensiv-Trainings bei Alkoholproblemen erarbeiten Sie zusammen mit professionellen Therapeuten Ihre persönliche Strategie gegen die Suchtgefährdung. Sie kommen den inneren und äußeren Gründen für Ihren Alkoholkonsum auf die Spur und erleben im Verlauf des Trainings vielleicht auch, dass der Alkohol hinter Ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung weit oder absolut zurücktritt.

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Datum: Freitag, 9. November 2012 10:19
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