TU Dresden: Schon sehr geringe Mengen Alkohol sind krebserregend

Aus biologisch-medizinischer Sicht ist Alkohol ein Zellgift, das den Körper in vielen Dimensionen schädigt. Regelmäßiger Alkoholmissbrauch führt zu einer chronischen Vergiftung, der irgendwann auch die körpereigenen Abwehrmechanismen gegen Krebs erliegen. Dass der regelmäßige Konsum von Alkohol langfristig zu einer unheilbaren Leberzirrhose und in der Folge auch zu einem Leberzellkarzinom führen kann, ist bekannt. Auch die Rolle von regelmäßigem Alkoholkonsum bei der Entstehung von Speiseröhrenkrebs gilt inzwischen als gesichert.

Ein Forschungs-Team der Technischen Universität Dresden verallgemeinerte dieses Wissen jetzt für den Zusammenhang von Alkoholkonsum und jedem Krebs. Die toxische Grenze der berauschenden Getränke liegt dabei erstaunlich niedrig und entspricht mit 32 Gramm reinem Alkohol pro Tag respektive zwei Gläsern Wein oder Bier exakt der Trinkmenge, die der Durchschnittseuropäer täglich zu sich nimmt.

Alkohol verursacht Krebs – und mehr als 200 weitere Krankheitsbilder

Das Fazit der Dresdner Psychologen: Alkohol ist derart schädlich für die Zellen, dass auch mäßiger und scheinbar risikoarmer Alkoholkonsum langfristig Krebs erzeugen kann. Außerdem ist er die Ursache für über 200 weitere Krankheitsbilder.

Die Dresdner Psychologen Professor Dr. Jürgen Rehm und Dr. Jürgen Lachmeier haben diese Erkenntnisse im Rahmen eines europäischen Forschungsprojektes gewonnen. Die Alcohol Public Health Research Alliance (Amphora) ist eine europäische Initiative, die sich durch wissenschaftliche Forschung und öffentliche Kampagnen für eine effektive Antialkohol-Politik in Europa einsetzt. Die Dresdner Wissenschaftler haben die Suchtforschung des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie sowie des CELOS-Centers für epidemiologische Studien an der TU Dresden unter anderem in das europäische Konzept von Amphora eingebunden.

Amphora – Bestandteil der Anti-Alkohol-Strategie der Europäischen Gemeinschaft

Das Projekt Amphora ist 2009 als ein Bestandteil des EU-Programms für eine europaweite Anti-Alkohol-Strategie entstanden und wird für zunächst vier Jahre aus den Mitteln der EU-Kommission finanziert. Koordiniert werden die Amphora-Aktivitäten durch die Hospital Clinic de Barcelona (FCRB). Europa hat weltweit den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Alkohol. Experten schätzen, dass rund 55 Millionen Europäer in riskantem Ausmaß trinken. Alkohol ist europaweit die drittwichtigste Ursache für Krankheiten, Behinderungen und vermeidbare Todesfälle. Aktive Alkohol-Prävention ist vor diesem Hintergrund ein wichtiges soziales und ökonomisches Thema.

Die Experten der Gesundheitsakademie Schmidbauer meinen: Alle Forschungsarbeiten und Programme, die dabei helfen, den Missbrauch von Alkohol wirksam einzudämmen, sind für eine gesunde gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung wichtig. Wirksame Präventions-Arbeit muss – wie auch im Amphora-Konzept festgeschrieben – mit Aufklärungsarbeit und Überzeugung jedes Einzelnen beginnen. Ebenso wichtig ist, dass für bereits manifeste Suchtprobleme frühzeitige und individuelle Hilfe angeboten wird. In unseren Intensivtrainings arbeiten Betroffene in einem sehr individuellen und geschützten Raum an der Überwindung ihrer Alkoholprobleme und gehen zusammen mit unseren erfahrenen Therapeuten die ersten Schritte in ein selbstbestimmtes Leben ohne Alkohol und Sucht.

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Datum: Montag, 29. Oktober 2012 11:43
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