Sucht im Alter – oft ein unerkanntes Krankheitsbild

Unsere landläufige Sicht verbindet riskanten Alkoholkonsum ebenso wie die Auslöser anderer Süchte entweder mit einem “problematischen” sozialen Umfeld oder der Kompensation von Alltagsstress. Stress erscheint dabei vor allem als Begleiter des modernen Arbeitslebens und damit als Phänomen der jüngeren und mittleren Lebensjahre. Obwohl der Anteil der Senioren an der deutschen Wohnbevölkerung kontinuierlich steigt, werden deren Probleme – Einsamkeit, Sinnverlust, Despressionen und damit einhergehende Suchtgefahren – selbst von Ärzten oft “vergessen”.

Werner Hofmann, Chefarzt am Friedrich-Ebert-Klinikum in Neumünster und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie konstatierte jetzt, dass Suchtprobleme älterer Menschen in Kliniken und Hausarztpraxen “viel zu wenig” wahrgenommen werden und forderte in diesem Kontext, dass alle Mediziner auch eine geriatrische Ausbildung erhalten müssen. Von 36 medizinischen Fakultäten in Deutschland unterhalten lediglich drei einen eigenen geriatrischen Lehrstuhl – im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit eine Schlußlicht-Position.

Drei bis fünf Prozent der Senioren leiden unter Alkoholproblemen

Hofmann nannte einige Zahlen zu den Suchtproblemen älterer Menschen: Medizinstatistiker gehen davon aus, dass jeweils drei Prozent der Senioren in Kliniken und Heimen eine Alkoholsucht ausgebildet haben. In den Hausarzt-Praxen rechnen die Experten mit etwa fünf Prozent alkoholkranker älterer Patienten. Die Erkennung der Sucht bei älteren Menschen sei zudem oft schwierig – einerseits verberge dieser Personenkreis Alkoholmissbrauch oft sehr geschickt, andererseits sei es für Ärzte schwer, entsprechende Symptome richtig einzuordnen. Verwirrtheitszustände, unsicherer Gang oder Stürze werden so oft eher dem Alter als Alkoholproblemen zugeschrieben.

Ein weiteres Risiko in diesem Kontext sei die sogenannte “Polypharmazie” – viele Senioren nehmen täglich bis zu 15 verschiedene Medikamente ein, die Wirkung auch von geringen Mengen Alkohol werde damit schnell unkalkulierbar.

Gefährdungspotential durch Vereinsamung, Depression und Sucht

Werner Hofmann thematisierte in Bezug auf die höheren Lebensjahre explizit den Zusammenhang von Vereinsamung, Depression und Sucht. Er plädierte hier nicht nur für ein soziales Netz, in das die Senioren verlässlich eingebunden sind, sondern auch dafür, ihnen “soziale Aufgaben” zu übertragen. Auch die Politik sei für die Schaffung von Rahmenbedingungen für ein “aktives Alter” in der Pflicht.

Das Team der Gesundheitsakademie Schmidbauer versteht sich als Experte für Sucht- und andere gesundheitliche Probleme in allen Lebensphasen. Unsere therapeutische Vision wendet sich ausdrücklich auch an Senioren und eröffnet Ihnen auch in höherem Alter einen “Neuen Weg” in ein erfülltes, aktives und gesundes Leben.

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Datum: Montag, 30. April 2012 11:47
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