Studie: LSD hilft bei der Therapie der Alkoholsucht

LSD war vielleicht DIE Droge der 1970er Jahre – eine Legende aus der Hippie-Ära und seinerzeit ein Kreativitäts-Elixier für viele Künstler. Das Beatles-Album “Sgt. Pepper” verarbeitet unter anderem die LSD-Erfahrung seiner Schöpfer, Apple-CEO Steve Jobs – mit tiefen Wurzeln in der Gegenkultur der Zeit – äußerte noch Jahrzehnte später, dass jemand, der kein LSD probiert hat, ihn niemals ganz verstehen könne.

Fakt ist: Lysergsäurediethylamid war in den USA bis in die späten 1960er Jahre legal und fand schnell seinen Weg aus den Apotheken in die Jugend- und Protestkultur der Zeit. Ein Suchtpotential ist mit LSD kaum verbunden, es erzeugt jedoch bereits in kleinen Mengen Halluzinationen. User berichteten immer wieder über spirituelle Erfahrungen unter LSD, die daraus sowie aus intensiveren Sinneswahrnehmungen resultierten. Die dunkle Seite der LSD-Medaille war allerdings der sogenannte Horror-Trip mit Desorientierung, Angstzuständen und Psychosen. Die Substanz – in der medizinischen Forschung seinerzeit unter anderem für die Erforschung der Schizophrenie genutzt – kam deshalb auf den Drogen-Index. Forschungsprojekte mit LSD gab es seit Ende der 1970er Jahre praktisch nicht mehr.

LSD – Langzeitwirkung und schnelle Besserung des Suchtverhaltens

Die norwegischen Forscher Teri Krebs und Pål-Ørjan Johansen beschäftigten sich jetzt mit dem medizinischen Nutzen von LSD bei der Behandlung der Alkoholsucht – sie werteten dafür sechs Studien aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren aus, in denen 536 alkoholabhängige Personen eine Therapie mit LSD erhielten. Ihr Fazit: In der Therapie der Alkoholsucht hat LSD eine klare und konsistent hilfreiche” Wirkung.

Im “Journal of Psychopharmacology” berichteten die beiden Wissenschaftler der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Trondheim, dass die von ihnen untersuchten historischen Studien zeigten, dass 59 Prozent der mit LSD behandelten Alkoholkranken bereits zur ersten Nachtuntersuchung über eine Besserung berichteten, eine ähnlich hohe Zahl blieb nach der LSD-Therapie dauerhaft abstinent. Besonders interessant: Schon eine einzige Dosis LSD wirkte bis zu einem halben Jahr, obwohl der Körper die Substanz innerhalb weniger Stunden abbaut.

Langfristig positiver Einfluss auf den Gehirn-Stoffwechsel

Die Erklärung für dieses Phänomen liegt in Stoffwechsel-Vorgängen im Gehirn: LSD wirkt auf einen bestimmten Serotonin-Rezeptor. Teri Krebs geht davon aus, dass sich dadurch neue Verbindungsstränge zwischen Nervenzellen bilden können, die unter anderem zu einer “neuen Perspektive auf das eigene Verhalten” führen.

Fritz Sörgel, Direktor des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) und David Nutt, ein früherer Drogenberater der britischen Regierung, argumentierten in die gleiche Richtung. Sörgel sagte über ähnliche Effekte bei der Einnahme halluzinogener “Magic Mushrooms”, deren positive Wirkung – etwa im Hinblick auf “größere Offenheit” – mehr als ein Jahr lang nachgewiesen werden könne, dass er für den Einsatz von LSD und Co. Arbeitsfelder in der Therapie von Süchten, in der Krebsbehandlung oder der Behandlung Sterbender sehe. Nutt erklärte, dass der LSD-Effekt, wie ihn die beiden Norweger beschrieben, wahrscheinlich allen anderen Therapien der Alkoholsucht überlegen sei und plädierte für den medizinischen Einsatz der Substanz ebenso wie für neue Studien.

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Datum: Montag, 11. Juni 2012 11:42
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