Studie: Light-Limonaden fördern schnellen Rausch

Alkoholischen Getränken wird oft synthetischer Süßstoff beigemischt – von den Herstellern werden sie als leichte Drinks für figurbewusste Kunden angepriesen. Ob diese Strategie wirklich dabei hilft, Übergewicht zu vermeiden, sei einmal dahingestellt. Eine US-amerikanische Studie hat jetzt jedoch nachgewiesen, dass diese alkoholischen Getränke schneller einen Rausch erzeugen.

Forscher der Universität von Northern Kentucky führten einen Alkohol-Wirkungstest mit acht weiblichen und männlichen Probanden durch. Jede Testperson nahm drei Getränke zu sich, in zwei Fällen handelte es sich dabei um einen Limonaden-Wodka-Mix – jeweils mit gezuckerter Limonade und einem Aspartam-gesüßten Light-Getränk – das dritte Glas enthielt ein promillefreies Alkohol-Placebo. Die Versuchsteilnehmer wurden danach befragt, wie sie ihre Fahrtüchtigkeit sowie die Wirkung der Getränke insgesamt empfanden. Außerdem maßen die Wissenschaftler die Reaktionszeiten und die Blutalkoholwerte der Probanden.

Süßstoffhaltige Alkoholika berauschen schnell und unauffällig

Nach den gezuckerten und synthetisch gesüßten Mixgetränken empfanden die Probanden die Alkoholwirkung in gleichem Maße. In den Messwerten zeigten sich jedoch klare Unterschiede: Durch das gezuckerte Getränk lag der Blutalkoholspiegel im Schnitt bei 0,77 Promille, die Light-Limo trieb diesen trotz gleichen Alkoholgehalts auf 0,91 Promille in die Höhe. Der Unterschied bei den Blutalkoholwerten betrug damit 18 Prozent, bei den Reaktionszeiten fanden die Forscher ähnliche Divergenzen. Die größere Rauschwirkung der synthetisch gesüßten Mixgetränke kann für die Fahrtauglichkeit und das Verhalten auf der Straße gravierende Folgen nach sich ziehen. Als besonders problematisch schätzte Studienleiterin Cecile Marczinski nicht nur die höheren Promille-Werte durch die Light-Getränke ein, sondern auch den Fakt, dass diese von den Probanden nicht wahrgenommen wurden. Synthetische Süßstoffe entfalten zusammen mit Alkohol damit eine doppelt negative Wirkung, indem sie einen Rausch sowohl schneller als auch unauffälliger erzeugen.

Reduziert Zucker die Alkoholaufnahme?

Worauf dieser Effekt beruht, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Die wichtigste These dazu lautet, dass der Verdauungstrakt gezuckerte Getränke eher als Mahlzeit wahrnimmt und sie im Magen länger auf die Darmpassage vorbereitet. Dadurch wird der Alkohol später und offensichtlich auch in geringerem Maße über die Darmschleimhaut in die Blutbahn abgegeben. Wenn diese Überlegung zutrifft, werden Alkoholaufnahme und Alkoholwirkung nicht durch Süßstoffe beschleunigt, sondern umgekehrt durch den Zucker reduziert.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer sind diese Forschungsergebnisse auch für die Praxis – beispielsweise den Konsum von alkoholhaltigen Getränken vor dem Autofahren – durchaus von Bedeutung und sollte auch in den Inhalt von Präventionsmaterialien aufgenommen werden. Der eigentliche Skandal liegt jedoch darin, dass die Industrie nach wie vor alkoholische Getränke als scheinbar gesundheitsfördernde (Light-)Produkte bewerben kann. Entsprechende werberechtliche Auflagen sind in diesem Kontext überfällig.

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Datum: Freitag, 3. Mai 2013 10:54
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