Schwangere Frauen unterschätzen Alkohol-Gefahren

Dass Alkohol bei ungeborenen Kindern schwere Schädigungen bewirken kann und deshalb in der Schwangerschaft absolut tabu sein sollte, ist eine Binsenweisheit. Die weitaus meisten Schwangeren gehen davon aus, dass sie sich auch in ihrem Alltag danach richten und auf den Konsum alkoholischer Getränke verzichten. Eine aktuelle Studie der Uni-Klinik Köln kam jetzt zu einem gegenläufigen Ergebnis: Viele schwangere Frauen unterschätzen die Alkohol-Gefahren in dieser Lebensphase, um Alkoholikerinnen geht es dabei in den meisten Fällen nicht.

Das Problem besteht darin, dass viele der befragten Frauen den Schluck Rotwein oder ein gelegentliches Gläschen Sekt nicht als Alkoholkonsum bewerten und davon überzeugt sind, abstinent zu leben. Bei 90 Prozent von ihnen wurde auch dann Alkohol im Urin nachgewiesen, wenn sie zuvor angegeben hatten, keinen Alkohol zu sich genommen zu haben.

Studien aus Berlin und Köln: Geringes Risiko-Bewusstsein bei Schwangeren

Professor Dr. Peter Mallmann, Leiter der Studie und Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uni-Klinik Köln betonte vor diesem Hintergrund erneut, dass auch geringe Mengen Alkohol – etwa ein Glas Kölsch – das ungeborene Kind schwer und unwiderruflich schädigen können. Seine Studie zum Thema ist Teil einer umfassenderen Aufklärungskampagne mit dem Titel “Mein Kind will keinen Alkohol”. Befragt wurden dafür bisher knapp 900 schwangere Frauen aus dem Kölner Raum. Die anonymisierten Fragebögen wurden im Kölner Uni-Klinikum und neun weiteren Krankenhäusern an alle Schwangeren ausgegeben, die sich dort zur Entbindung angemeldet hatten.

Eine Studie mit vergleichbaren Ergebnissen wurde bereits früher von der Charité Berlin erhoben. Ihr Initiator, der Oberarzt Dr. Jan-Peter Siedentopf, kommentierte, dass eine Alkoholgefährdung ungeborener Kinder bisher meist nur mit alkoholkranken schwangeren Frauen verbunden wird und forderte weiterführende Maßnahmen aus Politik, Medien, Wirtschaft und Medizin, um “unsere Babys” vor diesem Risiko zu schützen. Die jährlich rund 4.000 Fälle des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS) und die damit einhergehenden Behinderungen sind aus seiner Sicht durch entsprechende Präventionsmaßnahmen zu 100 Prozent vermeidbar.

Köln plant repräsentative Erhebung und Medien-Kampagne zum Thema

Professor Mallmann sieht die Ergebnisse der Berliner Studie durch seine eigene Forschung eindrucksvoll bestätigt und will die sozialwissenschaftliche Studie in Köln nun mit Unterstützung des Ethikrates seiner Universität erweitern. Sobald die Ethik-Kommission der Uni Köln grünes Licht gibt, will er analog zur der Studie der Charité in anonymisierter Form Urinproben von schwangeren Frauen sammeln und auf Alkoholabbauprodukte untersuchen lassen. Auf die repräsentative Erhebung soll dann die Medien-Kampagne “Alkohol in der Schwangerschaft” auch die Öffentlichkeit für die Problematik sensibilisieren. Eine “Erfolgsmessung” der Kampagne könnte dann über erneute Alkoholmessungen bei Schwangeren erfolgen.

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Datum: Mittwoch, 27. Februar 2013 11:40
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