Risikoarmer Alkoholkonsum – wo liegt das Limit?

Alkoholmissbrauch kann nicht nur zur klinisch manifesten Sucht, sondern auch zu zahlreichen Krankheiten oder zum Tode führen. Die Frage, wo die Grenze zwischen risikoarmem Trinken und explizitem Missbrauch liegt, beschäftigt daher sowohl Laien als auch Ärzte. In Deutschland sind die Werte dafür vergleichsweise eng gefasst – für Männer gelten pro Tag 24 Gramm reiner Alkohol, für Frauen die Hälfte dieser Menge als gesundheitlich unbedenklich.

Unbedenklichkeitsgrenzen für Alkohol – international recht unterschiedlich

International herrschen jedoch recht unterschiedliche Vorstellungen darüber, was noch als risikoarmes Trinken gelten kann. Ein Forscherteam der britischen Universität Sussex hat Anfang dieses Jahres die entsprechenden Regelungen von 57 Ländern durchleuchtet. In manchen Ländern wird das Thema einfach ausgeblendet, die Unterschiede zwischen den existierenden Vorgaben sind beträchtlich: Wenn ein US-amerikanischer Mann dreimal so viel trinkt wie sein Pendant in Finnland, kann er sich immer noch auf der sicheren Seite fühlen. Nach den Empfehlungen ihres Landes kann eine Slowenin im Vergleich zu den USA und Mexiko ohne “ausgewiesenes Gesundheitsrisiko” eine viermal größere Menge trinken. Unterschiedlich wird in den verschiedenen Ländern auch gesehen, ob Männer wirklich mehr als Frauen trinken dürfen. Die Meinung der meisten Experten dazu ist allerdings eindeutig: Frauen reagieren sensibler auf alkoholische Getränke und sind daher stärker durch Gesundheitsrisiken gefährdet.

Bleiben wir bei den deutschen Unbedenklichkeitsgrenzen für den täglichen Konsum – in der Praxis ergeben sich auch daraus Schwierigkeiten. Grob geschätzt liegt das Limit für eine Frau damit bei einem 0,3-Liter-Glas-Bier, 0,15 Litern Wein oder 0,04 Litern Schnaps, für Männer ist jeweils die doppelte Menge legitim. Trotzdem bleiben Fragen offen: So kann der tatsächliche Alkoholgehalt von Likören zwischen 15 und 50 Prozent reinem Alkohol variieren, auch bei anderen alkoholischen Getränken finden sich große Unterschiede. Was passiert, wenn jemand die “zulässige” Tagesdosis Alkohol tatsächlich an sieben Tagen in der Woche ausschöpft? Auch international findet sich darauf keine Antwort. Als Faustregel gilt hierzulande, dass zwei alkoholfreie Tage pro Woche plus die Risikogrenzen in der deutschen Definition weitgehende Sicherheiten schaffen. Vorsicht ist auch bei einem nur gelegentlichen Konsum großer Mengen Alkohol geboten, den viele Experten als schädlicher bewerten als ein regelmäßiges Feierabendbier.

Komplexes Krankheitspotenzial durch Alkohol

Die unterschiedlichen Regelungen spiegeln letztlich das komplexe Krankheitspotenzial alkoholischer Getränke wieder. Rund 35 Leiden gelten als ausschließlich alkoholbedingt, bei der Entstehung rund 50 weiteren Krankheiten, zu denen auch Demenz und Krebs gehören, kann Alkoholmissbrauch ein zentraler Faktor sein. Dabei steigt das Erkrankungsrisiko zusammen mit den getrunkenen Mengen kontinuierlich an. Dieser Effekt kann bereits ab einer Tagesdosis von 25 Gramm nachgewiesen werden, gestaltet sich jedoch auch in unterschiedlichen Alters- und Bevölkerungsgruppen nochmals verschieden. Die Grenzwerte der einzelnen Länder verweisen damit auch darauf, bis zu welchem Punkt die Risiken des Alkohols als noch akzeptabel bewertet werden sowie auf kulturelle Unterschiede: Zu eng gefasste Grenzen können sich bei mangelnder Akzeptanz durch breite Bevölkerungsschichten auch als kontraproduktiv erweisen.

Die Gesundheitsakademie Schmidbauer rät – wie alle anderen Alkohol-Experten – davon ab, sich bei einem risikoarmen Konsum an einer “unschädlichen” Tagesdosis für Alkohol zu orientieren. Zum einen ist auch innerhalb dieser Grenzen ein Restrisiko nicht auszuschließen, zum anderen geht es darum, die eigenen Trinkgewohnheiten grundsätzlich zu überdenken. Wenn Sie sich für Ihren Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben ohne Sucht professionelle Unterstützung wünschen, finden Sie in unseren Intensivtrainings zur Alkoholprävention dafür einen “geschützten Raum”, in dem die Ursachen bereits vorhandener Alkoholprobleme im Detail zur Sprache kommen.

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Datum: Freitag, 21. Juni 2013 11:41
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