Regelmäßige Alkoholtestkäufe in Bünde zeigen Wirkung

Alkoholtestkäufe im Einzelhandel werden inzwischen in zahlreichen Kommunen regelmäßig praktiziert, um die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes zu kontrollieren und Alkoholexzesse Jugendlicher möglichst schon im Vorfeld zu verhindern. Bei Sucht-Experten, Politikern und Lobbyisten sind sie zum Teil jedoch umstritten. Aus dem nordrheinwestfälischen Bünde kam jetzt ein Bericht, der die Skeptiker zum Schweigen bringen sollte, indem er zeigt, in welchem Maße sich die Tests als Präventionsmaßnahme langfristig bewähren.

Die Alkoholtestkäufe in der Stadt werden direkt durch das Bünder Jugendamt organisiert. Eine Umfrage an lokalen Schulen zeigt, dass viele Jugendliche mit 14 Jahren beginnen, Alkohol zu trinken, zwei Jahre später trinken sie mindestens an jedem Wochenende. Die Jugendlichen schilderten dabei auch, wie leicht es für sie sei, an Alkohol zu kommen. Wer noch zu jung ist, um selber alkoholische Getränke zu erwerben, spricht vor dem Kiosk oder vor Supermärkten einfach ältere Jugendliche und Erwachsene an. In der Regel klappt dies problemlos, so dass auch 14- oder 15-jährige an Hochprozentiges kommen.

Stellvertreterkäufe als zweites gravierendes Problem

Dirk Brandmeier vom Jugendamt der Stadt bestätigt diese Stellvertreterkäufe, betonte allerdings auch, dass in den Geschäften selbst die Testkäufe inzwischen Wirkung zeigen. Für das Bünder Jugendamt sind jugendliche Testkäufer seit sechs Jahren im Einzelhandel unterwegs. Inzwischen lassen sich die Verkäufer und Kassierer im Zweifelsfalls immer öfter einen Ausweis zeigen. Trotzdem ist im Bünder Handel das Problem des Alkoholverkaufs an Minderjährige nach wie vor brisant: Eine einzige Tankstelle in der Stadt hat die Testkäufe des Jugendamtes in allen sechs Jahren ohne Beanstandung überstanden, ein weiteres Geschäft gibt seit fünf Jahren keinen Alkohol an Jugendliche ab.

In allen anderen Einzelhandelsgeschäften wurde Brandmeiers Testkauf-Team zu irgendeinem Zeitpunkt fündig, 2012 war es immerhin nur noch jeder vierte Laden. Oft sei es junges Personal, das jugendliche Alkoholkäufer nicht nach dem Ausweis fragt. Das Bünder Jugendamt versuche, mindestens einmal jährlich jedes Geschäft, das in Bünde Alkohol verkauft, zu kontrollieren – zu schaffen sei dies bisher nicht in jedem Jahr. Einige Kassiererinnen sind durch die regelmäßigen Testkäufe inzwischen soweit für die Problematik sensibilisiert, dass sie die Jugendlichen bei offensichtlichen Stellvertreterkäufen zur Rede stellen und den Verkauf von Alkohol verweigern.

Jugendliche ignorieren das Thema “Alkoholmissbrauch”

Ralf Grabenschröer, Polizist und Mitglied im Bünder Jugendhilfeausschuss, erklärte, dass die Polizei nur einen Bruchteil der Fälle volltrunkener 14- oder 15-jähriger kennenlernen würde, das Ausmaß des Problems offenbare sich stattdessen in den hohen Einlieferungszahlen betrunkener Jugendlicher in die Krankenhäuser.

Viele Jugendliche nehmen dagegen die Problematik offenbar überhaupt nicht wahr. Eine 19-jährige Schülerin aus Bünden meinte im Rahmen der Befragung, dass alle ihre Freunde und Bekannten ihr Limit kennen würden. Zwar hätten sie bereits mit 14 Jahren angefangen, auch gebrannten Alkohol zu trinken – Koma-Saufen sei das allerdings nicht gewesen, dieses komme nur bei Jugendlichen vor, die vorher gar nicht an Alkohol gekommen seien und dann alles wahllos ausprobierten. Eine 17-jährige fand ebenfalls, dass Koma-Saufen in ihrem Umfeld keinesfalls ein Thema sei, einige vertrügen die Getränke eben nicht, die sie miteinander kombinierten. Allerdings: Es sei in ihrem Alter normaler – und heftiger – geworden, Alkohol zu trinken. Viele ihrer Altersgenossen kämen beispielsweise montags wegen eines Wochenend-Katers regelmäßig verspätet in die Schule.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer macht das Bünder Beispiel wichtige Elemente der Alkoholprävention bei Jugendlichen deutlich: Regelmäßige Kontrollen im Hinblick auf Jugendschutz-Verstöße sind unbedingt erforderlich und in gewissem Maß erfolgreich. Die verschiedenen öffentlichen Präventionskampagnen zeigen jedoch bisher eher begrenzte Wirkung. Wir sind im Übrigen der Meinung, dass eine wirksame Alkoholprävention am besten schon im Kindesalter und in der Familie einsetzt. Unsere Intensivtrainings für ein Leben ohne Alkohol kommen so vielleicht nicht nur Ihnen, sondern auch Ihren Kids zugute.

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Datum: Freitag, 22. März 2013 11:55
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