Regelmäßiger Alkoholkonsum schadet dem Gedächtnis

Die Grenze zwischen maßvollem und übermäßigem Alkoholkonsum ist schnell überschritten.

Jeden Tag ein Bier und dann noch eins: Bei Männern, die viel trinken, verschlechtern sich schon im mittleren Alter Gedächtnis und logisches Denken. 

Die Schüchternheit verfliegt, die höfliche Zurückhaltung auch. Alkohol verändert den Menschen, er schickt ihn in ein Hochgefühl, das direkt im Hirn entsteht. Der Stoff heftet sich an dieselben Bindungsstellen wie das bekannte Beruhigungsmittel Valium. Daneben sorgt er dafür, dass das Gehirn Dopamin ausschüttet, einen Nervenbotenstoff, der eine Art Vorfreude hervorruft.

Was die Menschen für den Moment so positiv stimmt, kann dem Gehirn auf Dauer schaden. Britische Forscher haben in Zahlen gefasst, wie sehr Gedächtnis und Denkleistungen bereits bei Menschen im Alter von rund 40 bis 60 Jahren unter Alkohol leiden können. Trinken Männer mehr als zehn Jahre lang viel Alkohol, entspricht ihre Gedächtnisleistung demnach der eines sechs Jahre älteren moderaten Trinkers. Logisches Denken und ähnliche Fähigkeiten altern in denselben zehn Jahren quasi um zwölf Jahre.

Dass sich ein regelmäßiger höherer Alkoholkonsum negativ aufs Hirn auswirkt, ist keine Überraschung. Bisher wurde der Einfluss auf die geistige Leistung allerdings vor allem bei älteren Menschen untersucht.

Bei Frauen keinen Effekt gefunden

Für ihre Studie befragten Wissenschaftler 5054 Männer und 2099 Frauen innerhalb von zehn Jahren dreimal zu ihren Trinkgewohnheiten. Anschließend machten die Forscher mit den Teilnehmern Gedächtnis- und andere Leistungstests. Diese Tests wurden innerhalb der nächsten zehn Jahre noch zweimal wiederholt, so dass die Forscher insgesamt 20 Jahre lang Daten sammelten. Zu Studienbeginn waren die Teilnehmer im Schnitt 46 Jahre alt.

Zwischen Nichttrinkern und Menschen mit moderatem Alkoholkonsum fanden die Forscher keine Unterschiede. Auch bei den Frauen konnten die Forscher keine negativen Auswirkungen des Trinkens auf das Gedächtnis und andere Hirnfunktionen ausmachen. Allerdings umfasste die Studie zu wenige weibliche Trinker, um die Auswirkungen ähnlich umfassend zu untersuchen wie bei den Männern.

Als Vieltrinker galten in der Studie Männer, die täglich mehr als 36 Gramm Alkohol konsumierten, was etwa 0,37 Liter Wein oder 0,85 Liter Bier entspricht. Allerdings schwankten die Trinkgewohnheiten der Männer in dieser Gruppe sehr. Die Studienteilnehmer konsumierten zum Teil das bis zu Dreifache des Schwellenwerts.

Auch in Deutschland halten sich viele Menschen nicht an Grenzen: Laut einer aktuellen Untersuchung ist die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland innerhalb weniger Jahre deutlich angestiegen. Rund 1,8 Millionen Deutsche gelten als abhängig, auch junge Erwachsene unter 25 sind verstärkt betroffen. Ein hoher Alkoholkonsum schadet nicht nur dem Gehirn, sondern auch einer Reihe weiterer Organe, darunter Leber, Magen-Darm-Trakt und Bauchspeicheldrüse.

Wenden Sie sich bei Suchtproblemen oder Fragen vertrauensvoll an die Gesundheitsakademie Schmidbauer.

Quelle: SPIEGEL-Online

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Datum: Donnerstag, 11. Februar 2016 11:14
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