Rauchen, Trinken, Adipositas – schützt Bildung vor übermäßigem Konsum?

Wissenschaftler der Universität Bayreuth haben in der Zeitschrift “Economics Research International” eine Studie publiziert, in der neben Rauchen und Adipositas auch Alkoholkonsum in verschiedenen gesellschaftlichen Schichten untersucht wurde. Das Ergebnis: Menschen mit hoher Bildung und vergleichsweise hohem Haushaltseinkommen konsumieren mehr Alkohol und trinken regelmäßiger als andere soziale Gruppen.

Die Forscher bezogen sich dabei auf Daten des sogenannten sozioökonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2006. Das Panel wird vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betrieben und liefert seit 1984 einmal jährlich einen repräsentativen Überblick über Lebensbedingungen, Werte sowie Veränderungen von Einstellungen und Verhaltensmustern privater Haushalte in Deutschland.

Rauchen und Adipositas – Aufklärungskampagnen helfen

Die Ko-Autoren Brit Schneider und Udo Schneider wollten mit ihrer Auswertung der DIW-Daten erkennbare Relationen zwischen sozioökonomischen Parametern, Gesundheit und gesundheitlich bedenklichen Verhaltensweisen zeigen. Gesundheitlich relevante Verhaltensweisen werden demnach grundsätzlich durch
Bildung, Einkommen und Erwerbsarbeit beeinflusst.

Menschen mit relativ hoher Bildung rauchen beispielsweise deutlich seltener als Männer und Frauen ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Eine fast identische Konstellation weist das SOEP-Panel für Adipositas aus, unter dem Personen mit Hochschulabschluss deutlich seltener leiden als Vertreter aller anderen Gruppen. Die beiden Forscher interpretierten die Zahlen so, dass höher Gebildete nicht nur besser über die Gefahren des Rauchens und ungesunder Ernährung informiert sind, sondern dieses Wissen auch aktiver in gesundheitsförderndes Verhalten überführen. Die Wissenschaftler plädierten in beiden Fällen für intensivere staatliche Aufklärungskampagnen und im Kontext “Rauchen” außerdem für eine weitere Erhöhung der Tabaksteuer.

Alkohol – soziale Akzeptanz verdrängt Risikobewusstsein

Für Alkohol fanden die Wissenschaftler eine direkt entgegengesetzte Relation: Sowohl Frauen als auch Männer mit hohem Bildungsstand greifen deutlich regelmäßiger zu alkoholischen Getränken als alle anderen Befragten. Gleichzeitig ist der Alkoholkonsum in Haushalten mit überdurchschnittlich hohen Einkommen deutlich intensiver als in sozialen Gruppen mit niedrigen oder mittleren Haushaltseinkommen.
Aus Sicht der Forscher erscheint mangelnde Aufklärung über die Risiken regelmäßigen Alkoholkonsums als Hintergrund hier kaum plausibel – sie gehen davon aus, dass bei hochgebildeten und/oder wohlsituierten Personen die soziale Akzeptanz des Alkohols das Risikobewusstsein tendenziell verdrängt und der Genuss von Alkohol hier fast zum “guten Ton” gehört.

Be Sociable, Share!

Autor:
Datum: Montag, 12. März 2012 9:12
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alkoholsucht

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben