Präventions-Projekte gegen Alkoholmissbrauch – teuer und oft wirkungslos

Für die Prävention von Alkoholmissbrauch von Kindern, Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen werden in Deutschland pro Jahr mindestens 36 Millionen Euro ausgegeben. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation (DIMDI) legt jetzt nahe, dass ein Großteil dieser Ausgaben ohne Wirkung bleibt. Das Problem dabei: Die Ergebnisse der Präventions-Kampagnen werden fast niemals wissenschaftlich überprüft – was und ob sie etwas bringen, ist daher völlig unklar.

Für diese Feststellung haben die DIMDI-Experten über 200 Alkoholpräventions-Projekte ausgewertet – eine Wirksamkeit konnten sie jedoch nur für zwei davon belegen. Bei 98 Projektbeschreibungen gaben die Initiatoren der Kampagnen an, dass deren Resultate messbar seien, in 80 Prozent der Fälle respektive 81 Projekten beschränkte sich die “Messbarkeit” jedoch auf den Beleg der Teilnehmerzahlen. In der Regel werden entsprechende Projekte weder im Hinblick auf ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis noch die Wirksamkeit der Aktionen überprüft.

Anti-Alkohol-Kampagnen – nur “Pro-forma”-Investition öffentlicher Gelder?

Die Ergebnisse der DIMDI-Studie sind in zwei Dimensionen alarmierend. Zum einen werden öffentliche Gelder auf diese Weise nicht für einen wirksamen Gesundheitsschutz junger Menschen, sondern schon fast pro forma ausgegeben. Zum anderen ist Alkoholkonsum in Deutschland ebenso wie in ganz Europa ein gesundheitliches und gesellschaftliches Problem. Im internationalen Vergleich trinken die Europäer weltweit am intensivsten, der Durchschnittsdeutsche konsumiert pro Jahr beispielsweise mehr als zehn Liter reinen Alkohol – das Äquivalent zu 100 Flaschen Wein oder 16 Bier-Paletten. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sterben pro Tag in Deutschland rund 200 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs.

Alkoholbedingte Krankenhausaufenthalte von Jugendlichen nehmen zu

Datensammlungen belegen immer wieder, dass Alkoholkonsum im Freizeitverhalten Jugendlicher einen festen Platz hat – oft mit schlimmen Folgen. Nach einer Erhebung der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) wurden 2010 fast 26.000 Kinder und Jugendliche mit einer akuten Alkoholvergiftung in Krankenhäuser eingeliefert. Das Statistische Bundesamt meldete für das gleiche Jahr 45.086 Krankenhausaufnahmen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren wegen übermäßigem Alkoholkonsum.

Nach Angaben der DAK sind alkoholbedingte Krankenhauseinlieferungen von Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 15 Jahren zwar aktuell um knapp sechs Prozent zurückgegangen, in der Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren jedoch um etwa drei Prozent gestiegen. Aus Regionalstudien der Kasse in Nordrhein-Westfalen ergaben sich zum Teil weitaus höhere Zahlen -Krankenhausaufenthalte Jugendlicher wegen Alkoholmissbrauchs haben beispielsweise in Krefeld und Solingen um 24 und 31 Prozent, in Viersen sogar um 90 Prozent zugenommen.

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Datum: Freitag, 7. September 2012 10:54
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