Politiker und Deutsche Bahn sind gegen ein bundesweites Alkoholverbot in Zügen

Eine aktuelle Debatte befasst sich mit einem allgemeinen Verkaufs- und Konsumverbot für Alkohol in Zügen. Der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, Hans-Werner Franz, hatte diese Forderung vor kurzem dem Bundesinnenministerium vorgelegt. Politiker und Deutsche Bahn (DB) sind allerdings unisono gegen ein Verbot. Bundesverkehrsminister Ramsauer (CDU) fasste zusammen, dass Bahn und Ordnungshüter derzeit rechtlich, personell und finanziell nicht in der Lage wären, eine solche Regelung auch in der Praxis umzusetzen. Die Verankerung strengerer Alkohol-Sanktionen im Hausrecht der Verkehrsbetriebe lägen wie bisher in der Hand der Unternehmen.

Deutsche Bahn: Härtere Sanktionen gegen Randalierer

Ramsauer unterstützt damit explizit die Position der Deutschen Bahn, die in ihren Zügen den Verkauf und Konsum von Alkohol weiterhin erlauben will. DB-Vorstand Gerd Becht kommentierte letzte Woche, dass Alkoholmissbrauch, der in den Zügen zu Problemen führe, fast immer schon im Vorfeld stattgefunden habe. Gleichzeitig seien Bahn und öffentlicher Nahverkehr für alkoholisierte Menschen die ideale und oft auch einzige Möglichkeit für einen sicheren Heimweg.

Becht verwies in seiner Stellungnahme außerdem auf die derzeitige Gesetzeslage, die ein allgemeines Alkoholverbot an öffentlichen Orten und damit auch in Verkehrsmitteln nicht rechtsverbindlich unterstützt, kündigte jedoch in Zukunft härtere Sanktionen gegen Randalierer an.

Mehr Sicherheit in Bus und Bahn durch regionale Alkoholverbote

Die regionalen Verkehrsverbünde in Hamburg und München haben sich dagegen schon seit längerem für ein generelles Alkoholverbot entschieden. Beispiel Hamburg: Das private Nahverkehrsunternehmen Metronom hat dort bereits 2009 ein absolutes Alkoholverbot verhängt und erhebt bei Verstößen 40 Euro Bußgeld. Die Anzahl alkoholbedingter Straftaten in Bus und Bahn sank dadurch drastisch. Im August 2009 – vor der Verhängung des Verbotes – wurden in den Hamburger Verkehrsmitteln noch 327 alkoholbedingte Delikte registriert, sechs Monate später waren es noch 33 Fälle. Umsetzung und Kontrolle des Verbotes kosten jährlich rund 1,6 Millionen Euro.

DB-Sprecher Becht wies allerdings zurück, dass der Konzern aus finanziellen Gründen gegen ein bundesweites Alkoholverbot in Zügen sei. Außerdem sei bisher nicht nachgewiesen, dass die regionalen Regelungen die Qualität des Nahverkehrs verbessert haben.

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Datum: Freitag, 11. Mai 2012 10:51
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