Nürnberg ab heute mit Deutschlands erstem Bahnhof ohne Alkohol

In Nürnberg beschreitet die Deutsche Bahn im Hinblick auf ihre Alkohol-Präventionsmaßnahmen neue Wege. Ab heute ist der Alkoholkonsum in großen Teilen des Nürnberger Hauptbahnhofs am Wochenende sowie an Feiertagen verboten. Die fränkische Metropole ist damit die erste deutsche Stadt, in der ein Alkoholverbot in einem Bahnhof gilt. Der Nürnberger Hauptbahnhof wird täglich von rund 180.000 Reisenden und Besuchern frequentiert.

Das Alkoholverbot im Nürnberger Hauptbahnhof gilt künftig von Freitagabend bis Sonntagnacht sowie vor Feiertagen von 20 Uhr bis sechs Uhr morgens. Davon betroffen sind alle öffentlich zugänglichen Bereiche des Bahnhofs – also Eingangshalle, Bahnhofstunnel, Bahnsteige und Gleisanlagen. Einzelhändler dürfen im Bahnhofsbereich jedoch weiterhin Alkohol verkaufen, auch gastronomische Betriebe sind von der Regelung ausgenommen.

Reaktion der Deutschen Bahn auf Probleme mit betrunkenen Partygängern

Die Deutsche Bahn hat mit dem Verbot auf sich verstärkende Probleme reagiert, die sich am Nürnberger Hauptbahnhof durch das Verhalten angetrunkener Partygänger ergaben. Nach DB-Angaben hatten diese das Bahnhofsgelände teilweise zu hunderten bevölkert. An den “alkoholfreien Tagen” sollen die Fahrgäste nun durch Lautsprecherdurchsagen und DB-Sicherheits-Mitarbeiter auf das Verbot hingewiesen werden. Wer trotzdem trinkt, muss mit Hausverweisen rechnen.

Der Fahrgastverband “Pro Bahn” zeigte sich zufrieden mit diesem Ansatz, forderte aber gleichzeitig entsprechende Verbote auf allen Bahnhöfen und bundesweit. Nach Angaben der Deutschen Bahn ist eine solche Initiative bisher nicht in Planung.

Durchschlagender Erfolg des Alkoholverbots eher unwahrscheinlich

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer offenbart die neue Regelung in Nürnberg die widersprüchlichen Seiten von Alkoholverboten im öffentlichen Raum. Die Deutsche Bahn hat damit zunächst auf ein akutes Problem in Nürnberg reagiert und will mit ihrem Alkoholverbot möglicherweise auch ein positives Zeichen setzen. Eine andere Frage ist, wie realistisch die Umsetzung des Verbotes tatsächlich ist – hartnäckige Trinker werden von den Durchsagen und temporären Hausverweisen vermutlich nicht beeindruckt sein, hinzu kommen personelle Limits im Hinblick auf den Umfang der Kontrollen.

Zudem zeugt die Regelung – wie von “Pro Bahn” schon angesprochen – eher von Inkonsequenz als einer konsistenten Strategie zur Verhinderung von öffentlichen Alkohol-Exzessen. Welche Erfahrungen Nürnberg mit dem Alkoholverbot auf seinem Bahnhof macht, bleibt natürlich abzuwarten – dass es ein durchschlagender Erfolg wird, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

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Datum: Freitag, 19. Oktober 2012 11:08
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