Norddeutsche sind Spitzenreiter bei Alkoholproblemen

Medizinstatistiker gehen davon aus, dass zwischen zehn und 20 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland Alkohol zu häufig und in riskanten Mengen konsumieren. Die Barmer GEK legte jetzt einen entsprechenden Vergleich aller Bundesländer vor, der auf den Daten ihrer Versicherten aus dem Jahr 2011 basiert. Das Fazit: In fünf norddeutschen Bundesländern ist der problematische Konsum von Alkohol besonders ausgeprägt. Die Studie wurde von der Barmer GEK im Rahmen ihres Gesundheits- und Fehlzeitenreports 2012 beauftragt und in der vergangenen Woche in Kiel öffentlich präsentiert.

Demnach lag der Anteil durch Alkohol verursachter gesundheitlicher Beeinträchtigungen in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr um knapp 13 Prozent höher als im bundesweiten Durchschnitt. Insgesamt waren 1,32 Prozent der Erwerbstätigen in diesem Bundesland von einem manifesten Alkoholproblem betroffen, im Durchschnitt aller Bundesländer waren es nur 1,17 Prozent. Die Berechnung ist repräsentativ für 250.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Schleswig-Holstein und beruht auf den Zahlen der Barmer GEK sowie Daten des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover. Schleswig-Holstein liegt im Alkoholproblem-Vergleich damit auf einem der vordersten Plätze.

Statistiken zur Alkoholsucht mit hoher Dunkelziffer

Den ersten Platz in der GEK-Statistik belegte Mecklenburg-Vorpommern, wo 1,59 Prozent aller Arbeitnehmer im Jahr 2011 an Alkoholproblemen litten. Auch die drei Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin lagen im Vergleich der Bundesländer vorn. In Hamburg hatten 1,57 Prozent aller Arbeitnehmer behandlungsbedürftige Alkoholprobleme, in Bremen und Berlin waren es 1,50 respektive 1,45 Prozent. Experten gehen dabei von einer hohen Dunkelziffer aus, da in der Studie lediglich die tatsächlich klinisch relevanten Fälle Beachtung fanden. Außerdem erscheint auf dem Krankenschein statt der Grunderkrankung “Alkoholsucht” oft eine Ausweichdiagnose.

Männer sind von Alkoholproblemen rund doppelt so oft betroffen als Frauen. Besonders ausgeprägt sind riskanter Alkoholkonsum und seine gesundheitlichen Folgen bei Männern in der Altersgruppe zwischen 50 und 59 Jahren. Anhand der Auswertungen der Barmer GEK trinken sich junge Menschen eher in einen Rausch und werden dann mit einer Alkoholvergiftung in Krankenhäuser eingeliefert. Ältere trinken dagegen eher kontinuierlich und bleiben so oft auch lange unauffällig. Mit steigender Schulbildung oder einem Hochschulstudium nimmt die Rate der von Alkoholproblemen Betroffenen ab.

Jeder fünfte Arbeitsunfall wird durch Alkohol verursacht

Im Rahmen der Präsentation der Studie verwies die Geschäftsführerin der Schleswig-Holsteinischen Landesstelle für Suchtfragen, Regina Kostrzewa, auch auf Zahlenmaterial der WHO, nach dem weltweit bei jedem fünften Arbeitsunfall Alkohol im Spiel ist. Alkoholprobleme schlagen in den Unternehmen auch wegen der durch sie verursachten langen Fehlzeiten als wirtschaftlicher Negativ-Faktor zu Bucht: Arbeitnehmer, die wegen alkoholbedingter Erkrankungen krankgeschrieben werden, fehlen im Schnitt 40 Tage länger als Erwerbstätige ohne Alkoholproblem.

Kostrzewa plädierte deshalb jetzt für Betriebsvereinbarungen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften, um Lösungen für das Problem “Alkohol am Arbeitsplatz” zu finden und verwies außerdem auf spezielle Fortbildungsprogramme für Auszubildende, die darin lernen, Suchtprobleme zu erkennen und in ihrem Umfeld darauf präventiv zu reagieren.

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Datum: Mittwoch, 31. Oktober 2012 10:30
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