Neue Ansätze zur Suchtbekämpfung: Verbindung von Raucher- und Alkoholberatung

US-amerikanische Forscher überdenken neue Strategien, um alkoholgefährdete Personen zu erreichen und sie beim Ausstieg aus der Sucht zu unterstützen. Bei der Zusammenarbeit mit einer wichtigen New Yorker Raucher-Hotline hatte ein Forscherteam um den Wissenschaftler Benjamin A. Toll von der “Yale University School of Medicine” herausgefunden, dass rund 25 Prozent der hilfesuchenden Raucher auch ein bedenkliches Trinkverhalten zeigen.

Benjamin A. Tolls Konsequenz daraus: Ein nur fünfminütiges Beratungsgespräch zum Alkoholkonsum der anrufenden Raucher reduziere “nachweislich die Rate gefährlichen Trinkens”. Den Raucher-”Quitlines” schlug er vor, ein entsprechendes Modul in ihre Dienste einzubauen. Sein Team und er beschäftigen sich inzwischen auch mit der wissenschaftlichen Untermauerung dieser These – eine Studie, die den Effekt der Kopplung von Raucher- und Alkoholberatung überprüft, werde in Kürze publiziert.

Raucher-Quitlines – 23 Prozent der Anrufer sind alkoholgefährdet

Für die aktuelle Untersuchung, hatten die Wissenschaftler zunächst 88.000 Anrufe bei der Raucher-Hotline ausgewertet. Rund 23 Prozent der Ratsuchenden offenbarten dabei auch einen risikoreichen Konsum von Alkohol. Folgeinterviews belegten außerdem, dass Raucher, die außerdem stark trinken, größere Schwierigkeiten bei der Rauchentwöhnung haben als solche, die nur in Maßen Alkohol zu sich nehmen.

Der hohe Anteil von Anrufern mit Alkoholproblemen bestätigt aus der Sicht der Forscher, dass Raucherhotlines gute Ansatzpunkte bieten, potentielle Alkoholiker zu erreichen und in die Suchtentwicklung beratend einzugreifen.
Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten sie im Medizin-Journal “Alcoholism: Clinical & Experimental Research”. Im nächsten Schritt sollen künftige Erhebungen nun Daten dazu liefern, ob die Integration einer Alkoholberatung in die Quitlines auch positive Resultate im Hinblick auf die Rauchentwöhnung alkoholgefährdeter Personen hat.

Integrierter Ansatz auch für Anti-Alkohol- und Anti-Nikotin-Kampagnen?

Die Grenzen des Modells dürften allerdings darin liegen, dass Menschen, die sich – zunächst wegen ihrer Nikotinsucht – an eine Beratungs-Hotline wenden, sich ihres Suchtverhaltens und der daraus resultierenden gesundheitlichen Gefährdung bereits bewusst sind. Von der Reflektion ihres Nikotinkonsums zum Überdenken ihres Trinkverhaltens ist es dann ein vergleichsweise kleiner Schritt. Problematischer sind jene Raucher respektive Trinker, die ihr Suchtverhalten ignorieren und an Beratung bisher nicht interessiert sind. Die US-amerikanische Studie liefert hier zumindest einen impliziten Ansatzpunkt: Auch Aufklärungskampagnen, die sich in integrierter Form mit den Gefahren von Alkohol und Nikotin befassen, könnten Erfolg versprechen und mehr Menschen erreichen als ein Konzept, das sich auf nur eine der beiden Süchte in isolierter Form beschränkt.

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Datum: Montag, 18. Juni 2012 11:51
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