“Na klar reden wir drüber”- Berliner Kampagne gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch Jugendlicher

Berlin meldete anhand einer aktuellen Studie, dass die Hauptstadt im Hinblick auf den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen auf einem guten Weg ist. Die Ergebnisse der Befragung unter Schülern der 9. und 10. Klassen zeigten, dass die Berliner Jugendlichen inzwischen sogar weniger Alkohol trinken als ihre Altersgenossen in anderen Bundesländern. Eine grundsätzliche Entwarnung ist damit jedoch nicht verbunden – der Alkoholmissbrauch von Jugendlichen ist in Berlin zwar rückläufig, aber nach wie vor ein gesundheitliches und soziales Problem. Hinzu kommt, dass Berliner Schüler zunehmend Cannabis konsumieren.

Berliner Jugendliche – Weniger Alkohol und mehr Cannabis

Im Rahmen der “Europäischen Schülerstudie” hatte das Münchner Institut für Therapieforschung bundesweit 6.192 Schüler zwischen zwölf und 17 Jahren zu ihrem Umgang mit Alkohol und Drogen interviewt. Im Bundesdurchschnitt hatten 80 Prozent der Jugendlichen im Monat vor der Befragung Alkohol getrunken – in Berlin waren es nur 60 Prozent. Auch das sogenannte Binge-Trinken – definiert als Konsum von fünf oder mehr alkoholischen Getränken zu mindestens sechs Trinkanlässen in den letzten 30 Tagen – ist in Berlin weniger verbreitet als an anderen Orten. In Berlin gab nur jeder 14. Jugendliche ein solches regelmäßiges Besäufnis zu, in Thüringen oder Bayern dagegen jeder zehnte Schüler. Parallel dazu wies eine Langzeitstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nach, dass in Deutschland der regelmäßige Alkoholkonsum von Jugendlichen insgesamt zurückgeht. 1979 tranken noch 25 Prozent aller Schüler zwischen zwölf und 17 Jahren regelmäßig Alkohol, 2010 waren es nur noch rund 13 Prozent.

Problematisch bleibt – in Berlin, jedoch auch in anderen Städten – der Anteil von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen zehn und 20 Jahren, die mit einer Alkoholvergiftung in Krankenhäuser eingewiesen wurden. Die Berliner Gesundheitsverwaltung gab an, dass diese Zahl seit 2010 das erste Mal seit dem Beginn der 2000er Jahre zurückgeht – im Jahr 2000 handelte es sich noch um “nur” 156 Fälle, auf dem Höhepunkt 2009 um 408 betroffene junge Menschen, 2010 wurden 397 Jugendliche und junge Erwachsene wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt.

Gleichzeitig liegt der Anteil Jugendlicher, die Cannabis konsumieren, mit 14,2 Prozent deutlich über Bundesländern wie Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen mit Konsum-Quoten zwischen knapp sechs und knapp neun Prozent. Rund 23 Prozent der Berliner Kiffer haben mit mehr als 20 Rauch-Anlässen im Jahr vor der Befragung eine relativ intensive Nutzung an. Knapp 44 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass es in Berlin “eher leicht” sei, die Droge zu erhalten. Auch andere Drogen wie Ecstasy, Amphetamine oder “Magic Mushrooms” spielen laut Angaben des Berliner Senats eine ernstzunehmende negative Rolle.

Kampagnenziel – Prävention für mindestens eine Million Berliner

In der Hauptstadt startet deswegen jetzt als gemeinsame Initiative der Senatsverwaltung, des Berliner Fußballverbandes und der Handelskette Edeka eine Neuauflage der Präventionskampagne “Na klar reden wir drüber” zur integrierten Aufklärung über die Gefahren von Alkohol und Drogen. Über Karten, Anzeigen und bedruckte Einkaufstüten soll sie in den nächsten Wochen rund eine Million Berliner erreichen. Der Fußballverband will zusätzlich durch Trainer-Schulungen und einen “Trainer-Führerschein” für das Thema “Alkohol und Drogen” sensibilisieren. Außerdem lässt der von einer Großen Koalition aus CDU und SPD geführte Berliner Senat auf Bundesratsebene derzeit prüfen, ob ein generelles Verbot des Alkoholverkaufs an Minderjährige und eine Senkung des Eigenbedarfsgrenze von Cannabis – derzeit 15 Gramm – rechtlich abgesichert machbar wäre.

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Datum: Montag, 3. September 2012 11:50
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