Mehr als ein Drittel der Studenten trinkt riskant

Verschiedene Studien der TU Braunschweig beschäftigten sich über mehrere Jahre mit dem Trinkverhalten von Studenten. Nach Angaben der Universität sind diese insgesamt die inhaltlich und zeitlich umfassendste deutsche Erhebung zu diesem Thema. Das Fazit: In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Alkoholkonsum von Studenten an deutschen Unis intensiviert, die durchschnittliche Trinkmenge pro Tag hat um rund 15 Prozent zugenommen. Damit verhalten sich Studenten anders als der Rest der deutschen Wohnbevölkerung, deren Alkoholkonsum seit Jahren zwar schwach, aber kontinuierlich sinkt.

Stress und soziales Umfeld als Motivations-Faktoren

Die Wissenschaftler vermuten für diesen Trend mehrere Gründe. Ein wichtiger Aspekt wird im sozialen Umfeld und in der sozialen Motivation vermutet. Durch die relativ freie Zeiteinteilung sind Feiern mit reichlich Alkohol auch an Wochentagen möglich, ohne dass Probleme mit der Uni drohen. Viele der Befragten gaben an, dass Trinken Spaß mache und Partys mit Alkohol einfach besser seien. Daneben spielen Stress und Leistungsdruck auch im Alltag von Studenten eine immer größere Rolle – Alkohol wird folglich in immer höherem Maß als Kompensator eingesetzt. Im Alltag dürften regelmäßig beide Aspekte aufeinandertreffen.

Gesicherte Erkenntnisse über die Ursachen des erhöhten Alkoholkonsums von Studenten haben die bisherigen Erhebungen allerdings nicht geliefert, in Folgestudien soll nun die Trink-Motivation im Fokus stehen.

Studenten sind sich der Problematik oft bewusst

Für die aktuellste Studie der TU wurden 804 Braunschweiger Studenten in Online-Interviews befragt. Sie zeigt, dass mehr als ein Drittel der Studenten in riskantem Ausmaß trinkt – im Durchschnitt der Bevölkerung ist es nur jeder Sechste. Gleichzeitig ist unter Studenten das sogenannte “Binge-Trinken” ein verbreitetes Problem – definiert wurde es in der Studie anders als in den Medien nicht über den explizit erreichten Rausch, sondern als der Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken zu einem einzigen Anlass, der eine Stunde, aber auch einen ganzen Abend umfassen kann.

Christiane Maurer, die Chefin der Psychologisch-therapeutischen Beratung der Universität Hannover benannte in diesem Kontext Stress und den Wunsch nach Entspannung als “harten” Trinkgrund. In den Beratungen erlebe sie immer mehr Studenten, die sich der Problematik sehr wohl bewusst sind und nachfragen, welche Trinkmengen “noch angemessen” seien. Maurer und ihre Kollegen versuchen in solchen Fällen, sinnvolle Alternativen zum Stressabbau aufzuzeigen und orientieren beispielsweise auf Sport. Von insgesamt 670 Hilfesuchenden waren im vergangenen Jahr jedoch nur 20 Studenten von einem expliziten Suchtproblem betroffen.

Die Sucht-Experten der Gesundheitsakademie Schmidbauer sehen die Gefahren eines intensiven Alkoholkonsums in Studentenzeiten nicht nur in akuten Alkoholproblemen, sondern als ein Risiko, das langfristig in gleich zwei Dimensionen zum Tragen kommt: Ein riskanter Umgang mit alkoholischen Getränken in jungen Jahren legt oft den Grundstein für eine spätere manifeste Alkoholsucht. Durch die innere “Verlinkung” von Alkohol und Stressbewältigung bilden sich zudem entsprechende Verhaltensmuster aus, die – mit dem entsprechenden Suchtpotenzial – bei den Betroffenen später auch den Arbeitsalltag prägen.

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Datum: Mittwoch, 17. Oktober 2012 10:28
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