Mehr als 80 Prozent der Deutschen begrüßen ein Alkoholverbot im Zug

Die Online-Redaktion der “Zeit” hat durch das britische Markt- und Meinungsforschungsinstitut “YouGov” Bahn-Kunden nach ihrer Ansicht zu einem Alkoholverbot in Zügen befragen lassen. Die repräsentative Umfrage wurde zwischen dem 20. und 22. November 2012 unter 1.027 deutschen Teilnehmern des YouGov-Panels erhoben. Das Resultat: Über 80 Prozent der Deutschen würden ein Alkoholverbot im Zug begrüßen, eine Ausnahme im Bordrestaurant würde sich fast die Hälfte der Befragten wünschen.

Das Thema “Alkoholkonsum in Zügen” wird von den diversen deutschen Verkehrsbetrieben bisher sehr unterschiedlich gehandhabt. Im Hamburger Verkehrsverbund gilt seit über einem Jahr ein Alkoholverbot, was von Mitarbeitern und Fahrgästen sehr positiv aufgenommen wurde. Die Deutsche Bahn lehnt dagegen Alkoholverbote ab und betrachtet diese als eine Aufgabe für die Politik. In Nürnberg wurde jetzt allerdings erstmals ein Alkoholverbot auf einem Bahnhof durchgesetzt, das für Wochenenden und Feiertage gilt.

Deutsche Bahn verfehlt im Hinblick auf ein Alkoholverbot die Wünsche ihrer Kunden

Die YouGov-Erhebung brachte jetzt darüber Klarheit, dass die Haltung der Deutschen Bahn zu Alkoholverboten in ihren Zügen nicht die Wünsche ihrer Kunden trifft. 41 Prozent der Befragten waren für ein generelles Alkoholverbot im Zug. Frauen wünschten sich mit 48 Prozent ein solches deutlich öfter als die entsprechenden 34 Prozent der Männer. 42 Prozent waren dafür, dass es im Bordrestaurant erlaubt sein sollte, Bier, Wein oder Sekt zu konsumieren, in den übrigen Waggons Alkohol jedoch verboten sei.

Bei Verstößen gegen ein allgemeines Alkoholverbot im Zug sprachen sich 59 Prozent der Befragten für ein Bußgeld aus, 45 Prozent würden Trinkende gern aus dem Zug verweisen. Nur 13 Prozent fanden dagegen lediglich eine mündliche Verwarnung angemessen.

Schlechte Erfahrungen mit angetrunkenen Reisenden spielte nur geringe Rolle

Hinter der breiten Zustimmung für das Alkoholverbot standen bei vielen der Befragten offensichtlich keine schlechten Erfahrungen mit angetrunkenen Personen in Zügen. Rund ein Drittel der der Umfrageteilnehmer war im Zug zwar bereits von betrunkenen Mitreisenden belästigt worden, zwei Drittel gaben jedoch keine derartigen Erlebnisse an. Zwischen Frauen und Männern gab es bei der “Belästigungsfrage” keine Unterschiede.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer ist dieses Umfrageergebnis ein positives Zeichen für die wachsende Akzeptanz von Alkoholbeschränkungen und Alkoholverboten im öffentlichen Raum. Wir und andere Experten rechnen damit, dass es in der sozialen Akzeptanz von Alkohol in absehbarer Zeit eine ähnliche Trendwende geben wird wie vor einigen Jahren im Hinblick auf den öffentlichen Konsum von Tabak. Zu wünschen bleibt, dass Unternehmen wie die Deutsche Bahn entsprechenden Erwartungen ihrer Kunden künftig Rechnung tragen.

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Datum: Mittwoch, 28. November 2012 10:29
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