Medikamentöse Therapie der Alkoholsucht – eine Wirkstoff-Übersicht

Vor wenigen Wochen kritisierte Professor Dr. Jürgen Rehm vom Institut für Klinische Psychologie der TU Dresden in seinem Report “Alkoholkonsum, Alkoholabhängigkeit und Gesundheitsschäden in Deutschland” die suboptimale Therapie alkoholkranker Patienten. Aus seiner Sicht wird unter anderem die Kombination aus ärztlicher/psychologischer Kurz-Intervention und pharmakologischer Behandlung viel zu wenig in Betracht gezogen.

Der Experte rechnete vor, dass, wenn 40 Prozent aller klinisch alkoholabhängigen Personen auch mit Medikamenten wie Acramposat oder Naltrexon behandelt würden, pro Jahr rund 2.000 Todesfälle durch Alkohol vermieden werden könnten. Die Entscheidung für oder gegen eine medikamentöse Therapie der Alkoholsucht besitzt also durchaus persönliche und gesellschaftliche Brisanz – Grund genug, die Wirkungsweise dieser Stoffe etwas näher anzuschauen.

Moderne “Antisucht”-Arzneien blockieren Alkohol-Rezeption im Gehirn

Acamprosat (Handelsname: Campral) ist eng verwandt mit den körpereigenen Neurotransmitter-Aminosäuren Taurin und Glutamat. Bei Alkoholkranken ist insbesondere der Glutamat-Spiegel erhöht – Acamprosat dockt – anstelle des Botenstoffes selbst – an die entsprechenden Rezeptoren der Nervenzellen an, dämpft so die alkoholbedingte Überreaktion des Gehirns und unterstützt den Entzugsprozess als sogenannte “Anti-Craving-Substanz”, lindert also die suchtbedingte Gier nach Alkohol. Acramposat wirkt nicht bei allen Patienten und lindert nicht die körperlichen Symptome des Entzugs.

Naltrexon (Handelsname: Adepend) wurde ursprünglich für die medikamentöse Unterstützung der Drogensucht entwickelt – es handelt sich dabei um einen Opioid-Antagonisten, der die Opioid-Rezeptoren des Nervensystems besetzt. Im Endeffekt hat sich die Arznei in der Therapie von Alkoholabhängigen als wirksamer erwiesen als in der Anti-Drogentherapie und unterstützt durch seinen Anti-Craving-Effekt wirksam eine psychologische Entwöhnung- oder Anti-Rückfall-Therapie.

Daneben gibt es beispielsweise das Disulfarin (Handelsname: Antabus) – die Substanz blockiert den Abbauprozess des Alkohols in der Leber, erzeugt bereits beim Konsum geringer Mengen Alkohol Übelkeit und andere Unterverträglichkeitsreaktionen, die allerdings – beispielsweise durch Herz-Kreislauf-Effekte oder Schock – auch lebensgefährlich werden können.

Verbindung mit psychologischer Intervention ist wichtig

Sinnvoll ist die medikamentöse Therapie der Alkokolsucht in der Regel nur in Verbindung mit einer psychologischen Behandlung. Die Gesundheitsakademie Schmidbauer setzt in ihrem Drei-Wochen-Intensiv-Programm vor allem auf psychologische Interventionen zur Verhaltensänderung sowie die Aufarbeitung lebensgeschichtlicher Hintergründe. Eine eventuell gewünschte medikamentöse Unterstützung klären wir vorab zusammen mit Ihnen im persönlichen Gespräch.

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Datum: Mittwoch, 11. Juli 2012 10:39
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