Manager und Sucht – Tabuthema in bundesdeutschen Chefetagen

Der Suchtbericht der Bundesregierung lieferte kürzlich aktuelle Zahlen zum Thema Sucht in Deutschland. Demnach leiden rund 1,3 Millionen Menschen an einer klinisch manifesten Alkoholsucht, 1,4 Millionen nutzen regelmäßig Medikamente als Aufputsch- oder Entspannungsmedium. 600.000 Personen konsumieren Cannabis, 200.000 greifen zu anderen illegalen Drogen.

Die Daten zeigen: Sucht in ihren verschiedenen Dimensionen ist ein gravierendes Problem. Je nach der Erhebungsbasis der verschiedenen Studien sind mindestens fünf bis zehn Prozent der deutschen Wohnbevölkerung davon betroffen. In den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen sind Suchtprobleme recht gleichmäßig vertreten – ebenso verbreitet ist der Fakt, dass sie bei vielen Menschen und auch den Betroffenen nach wie vor als ein Tabu betrachtet werden. Gerade in den Chefetagen sind Süchte, ihre Gründe und die Folgen oft ein absolutes soziales “No-Go”. Viele Manager bemühen sich in ihrem Alltag um ein intaktes Image als High-Performer und Workaholics ohne persönliche Ressourcen-Limits.

Psychische Stabilität wird oft durch unerfüllbare Anforderungen gebrochen

In einem Interview für “Focus Online” ging der Psychotherapeut Götz Mundle jetzt der Frage nach, wie Manager in eine Suchtkarriere starten. Der ärztliche Leiter der Berlin-Brandenburger Oberbergkliniken, weiß, von was er spricht – in seiner Sprechstunde trifft er nur zu oft ausgebrannte und von akuter Suchtgefahr bedrohte Führungskräfte. Als besonders tragisch empfindet der Experte, dass die Manager in ihrer Karriere zuvor bereits große psychische Stabilität bewiesen haben, ohne die sie den Sprung in die Chefetage gar nicht bewältigt hätten. In ihrem Arbeitsalltag und ihrer Position werden sie trotzdem oft mit Anforderungen konfrontiert, die sie auf lange Sicht gar nicht erfüllen können.

Überschneidungen von Sucht und Burnout

Die Auslöser der Sucht sind aus Götz Mundles Sicht gerade bei Managern meist die gleichen Faktoren wie für einen Burnout: Die objektive Überlastung wird durch Perfektionismus, hohe Selbsterwartungen sowie die fehlende Wahrnehmung der eigenen Grenzen komplettiert. Als Folge setzen viele Führungskräfte auf die “entspannende” Wirkung alkoholischer Getränke, auf Aufputschmittel oder andere Sucht-Substanzen. Der Beginn der Sucht wird dabei von den meisten übersehen oder auch wider besseres Wissen ignoriert. Beispielsweise gilt der abendliche Drink in der Hotelbar meist als Teil des normalen Business-Alltags. Erste Suchtsymptome – das immer dringendere Verlangen nach dem Suchtstoff oder körperliche Entzugserscheinungen – werden so weit wie möglich totgeschwiegen.

Aktive Suchtprävention bei Führungskräften besteht daher oft im Aufbau von Fähigkeiten, aktiv mit Arbeitsbelastungen, Stress und beruflichen Konflikten umzugehen. Diese schützen nicht nur vor der Sucht, sondern helfen im Idealfall auch dabei, die eigene Persönlichkeit und auch das berufliche Profil zu stärken. Die Gesundheitsakademie Schmidbauer hat ihre Intensivtrainings zur Prävention von Alkohol- und anderen Suchtproblemen von vornherein auch im Hinblick auf die Problemlagen und speziellen Anforderungen von Führungskräften konzipiert. Unser therapeutisches Spektrum dafür umfasst verhaltenspsychologische Interventionen, individuelle Therapie-Gespräche, aber auch ein intensives Training für eine ausgewogenere Work-Life-Balance.

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Datum: Dienstag, 7. Mai 2013 10:49
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