Leipzig: Erster Preis für vorbildliche Strategien in der kommunalen Suchtprävention

Die Stadt Leipzig hat soeben einen Preis für “vorbildliche Strategien in der kommunalen Suchtprävention” gewonnen. Im bundesweiten Wettbewerb dazu konnte die sächsische Metropole bei den kreisfreien Städten den ersten Platz belegen. Bei dem nun preisgekrönten Leipziger Projekt geht es unter dem Motto “Von der Straße ins Leben” um aufsuchende Sozialarbeit für “alkoholkranke Menschen im öffentlichen Raum.” Es wurde bereits 2010 im Leipziger Westen als einem Programmgebiet des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gestartet und zunächst aus EU-Mitteln gefördert. Realisiert wurde das Programm durch die SZL Suchtzentrum GmbH sowie das Suchtzentrum Leipzig e. V.

Aufsuchende Sozialarbeit – besonders erfolgversprechend bei der Suchtprävention

Die Stadt Leipzig und die beiden Träger konnten sich jetzt über ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro freuen, mit dem das Angebot an sozialen Hilfen für alkoholgefährdete und alkoholkranke Menschen ausgeweitet wird. Auch der Leipziger Bürgermeister Fabian freute sich öffentlich über die “sehr schöne Würdigung der kommunalen Suchtpolitik” in seiner Stadt. Der promovierte Psychologe hob hervor, dass die Suchtprävention in Leipzig durch das unbürokratische und praxisorientierte Zusammenwirken der unterschiedlichen Einrichtungen und Behörden geprägt sei. Eine aufsuchende Sozialarbeit betrachte er im Übrigen als “besonders erfolgversprechenden Weg” bei der Prävention von Süchten.

Ziel des Projektes “Von der Straße ins Leben” ist es, erwachsene alkoholgefährdete Personen dort aufzusuchen, wo sie sich zum gemeinsamen Trinken treffen – also beispielsweise vor Supermärkten, in Parks oder an Haltestellen. Damit wollen die Sozialarbeiter eine frühzeitige Vermittlung der Betroffenen in Hilfesysteme fördern sowie die langfristigen sozialen und gesundheitlichen Folgen des Alkoholmissbrauchs reduzieren. Gleichzeitig soll ihre Arbeit dabei helfen, alkoholbedingte Probleme im öffentlichen Raum und vor allem in “sozialen Problemzonen” zu deeskalieren.

5.078 “Klienten-Kontakte” und Akuthilfen in zwei Jahren Projektarbeit

Allein an den sogenannten “Trinkerplätzen” konnten die vier hauptberuflichen Mitarbeiter des Projekts insgesamt 5.078 “Klienten-Kontakte” erreichen. Dabei ging es oft um Erstberatungen in akuten Situationen. Schwerpunktthemen waren beispielsweise drohende Wohnungslosigkeit oder schwere körperliche Beeinträchtigungen durch Alkoholsucht oder Alkoholmissbrauch. Klienten in akuten Krisen wurden unter anderem Klinikaufenthalte, Plätze in Übernachtungshäusern sowie Entgiftungstherapien vermittelt. Weiteren alkoholabhängigen Menschen konnte durch die Vermittlung von Möglichkeiten für ein Betreutes Wohnen, aber auch in Tagestreffs, tagesstrukturierende Maßnahmen, Suchtberatungsstellen oder Therapien geholfen werden.

Die Leipziger Polizei sowie das Ordnungsamt bestätigten ein deutliches Nachlassen von Beschwerden in den Stadtgebieten, in denen das Projekt aktiv ist. Seit 2012 wird es nicht mehr durch den EFRE, sondern durch das Leipziger Gesundheitsamt finanziert und soll schrittweise auch auf andere Viertel ausgeweitet werden. Seit Mitte letzten Jahres wurde zunächst Leipzig-Grünau in das Programm aufgenommen. Die Koordination erfolgt inzwischen durch einen “interdisziplinären Qualitätszirkel” unter Leitung der Suchtbeauftragten der Stadt Leipzig, in dem neben Polizei, Behörden und den Trägern des Projekts auch Bürgervereine sowie Patientenverbände eine Stimme haben.

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Datum: Freitag, 14. Juni 2013 11:57
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