“Kontrolliertes Trinken” – die Front der Abstinenz-Verfechter bröckelt

Über “kontrolliertes Trinken” als Alternative zur Totalabstinenz in der Therapie von Alkoholikern und alkoholgefährdeten Personen berichteten wir bereits in einem früheren Posting. Der Nürnberger Psychologe Dr. Joachim Körkel gilt in Deutschland als der Vorreiter dieses Modells und bietet – übrigens auch online – zusammen mit der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg seit 13 Jahren entsprechende Praxis-Trainings an. Nach eigenen Angaben schaffen rund zwei Drittel der Kursteilnehmer, ihren Alkoholkonsum dauerhaft auf ein risikoarmes Maß zu reduzieren. “Kontrolliertes Trinken” wird in den USA und Großbritannien bereits seit mehr als 30 Jahren erfolgreich praktiziert. In Deutschland sehen die meisten Mediziner und Psychologen lebenslange Abstinenz bisher als den “Königsweg” in der Therapie der Alkoholsucht.

Unter dem Einfluss neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse – vor allem dem im Juni 2012 publizierten Alkohol-Bericht des Dresdner Psychologen Dr. Jürgen Rehm – bröckelt jetzt die Front der Abstinenz-Verfechter. Laut Rehm suchen nur acht bis zehn Prozent der Betroffenen überhaupt professionelle Hilfe. Zudem zeitigt die herkömmliche Abstinenztherapie extrem hohe Rückfallquoten von bis zu 90 Prozent im zweiten Jahr.

“Kontrolliertes Trinken” – aus Ärztesicht genauso effektiv wie Abstinenz

Der Sucht-Experte Thomas Hillemacher von der Medizinischen Hochschule Hannover fasste die Konsequenzen aus Rehms Sucht- und Therapie-Report jetzt aus medizinischer Sicht zusammen. Demnach verhindert nicht nur totale Abstinenz wirksam die sozialen und gesundheitlichen Folgen der Alkoholsucht – auch das “kontrollierte Trinken” reduziert die Abhängigkeits-Symptome, verhindert schwere alkoholbedingte Erkrankungen wie beispielsweise Leberschäden oder Krebs und wendet damit eine große Anzahl von Todesfällen durch riskanten Alkoholkonsum ab.

Selbstmotivation und Entscheidungsfreiheit der Betroffenen

Das “kontrollierte Trinken” setzt in hohem Maße auf die Selbstmotivation und persönliche Entscheidungsfreiheit- auch vor dem Hintergrund, dass viele Alkoholabhängige eigentlich viel lieber weniger als zeitlebens gar nicht trinken wollen. Joachim Körkel gab für seine Kurse an, dass zehn bis 30 Prozent der Teilnehmer sich im Verlauf der Trainings trotzdem für totale Abstinenz entscheiden, etwa acht Prozent praktizieren sie später dauerhaft. Hinzu kommen weitere “harte Fakten: “Kontrollierte Trinker” schaffen komplette Abstinenz ebenso lange wie Personen, die eine Null-Alkohol-Therapie durchlaufen haben, die Häufigkeit von Trink-Abstürzen ist in beiden Gruppen gleich.

Die Gesundheitsakademie Schmidbauer setzt in ihrem Intensiv-Training gegen riskanten Alkoholkonsum und Alkoholsucht grundsätzlich auf Ihre eigene Entscheidung und Ihre Motivation, destruktive Seiten in Ihrem Leben zu verändern. Allerdings sind wir der Meinung, dass ein nachhaltiger Ausstieg aus der Sucht in eine übergreifende Veränderung der Lebensweise und auch individueller Werte eingebettet sind. Unsere Therapien zielen auf das praktische Erlernen neuer Verhaltensweisen ebenso wie auf die Bearbeitung lebensgeschichtlicher “Sucht-Faktoren”. Für ausführliche Informationen und Beratung sprechen Sie uns gerne an.

Be Sociable, Share!

Autor:
Datum: Montag, 23. Juli 2012 11:47
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alkoholsucht

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben