Kaffee kann Alkoholschädigungen der Leber mildern

Kaffee galt bisher als ein eher ungesundes Lebensmittel: Wer zu viel davon zu sich nimmt, senkt sein Konzentrationsvermögen und belastet Herz und Kreislauf. Eine neue Studie aus Finnland legt jetzt nahe, dass Kaffeekonsum einige der gesundheitsschädigenden Wirkungen von Alkohol in einem gewissen Ausmaß kompensieren kann.

Für die Studie wurden knapp 19.000 Probanden untersucht. Ihre Ergebnisse veröffentlichte das Forscherteam um Joanna Danielsson von der finnischen Universität Tampere jetzt im britischen Fachmagazin “Alcohol und Alcoholism”. Ihr Fazit: Ein hoher Koffein-Konsum hemmt vor allem bei Männern, die viel Alkohol zu sich nehmen, die Bildung eines bestimmten Enzyms der Leber. Das Leber-Enzym GGT (Gamma-Glutamyl-Transferase) ist im Körper immer dann in einer erhöhten Konzentration vorhanden, wenn sich eine Leberschädigung entwickelt.

Kaffee bremst bei Männern die Wirkung freier Radikale in der Leber aus

Die Wissenschaftler hatten für die Analyse die Daten von 10.000 Frauen und 8.800 Männern ausgewertet. Diese beantworteten detaillierte Fragen zu ihrem Konsum von Alkohol und Kaffee, außerdem wurden ihnen Blutproben abgenommen. Finnland eignet sich für einen solchen Test wie kaum ein anderes Land der Erde: Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von rund zwölf Kilo Kaffee halten die Finnen den Weltrekord beim Konsum von Kaffee. Gleichzeitig sprechen sie trotz hoher Steuern alkoholischen Getränken in hohem Maße zu.

90 Prozent der Probanden vermerkten einen regelmäßigen Kaffeekonsum, über 86 Prozent tranken außerdem in Maßen Alkohol. 3,7 Prozent der Probanden wurden anhand der Fragebögen dagegen als “schwere Trinker” eingestuft. In dieser Gruppe fanden sich generell die höchsten Blutwerte für GGT, die bei denjenigen Testpersonen, die keinen Kaffee tranken, einen Spitzenwert erreichten. Bei Trinkern, die pro Tag gleichzeitig mindestens fünf Tassen Kaffee zu sich nahmen, erreichte die Konzentration des Leber-Enzyms im Blut dagegen deutlich niedrigere Werte. Statistisch relevant war diese Konstellation allerdings nur bei den in der Studie untersuchten Männern. Die Wissenschaftler folgerten daraus, dass die chemischen Stoffe im Kaffee Schäden durch sogenannte freie Radikale – also besonders reaktionsfreudige und potentiell krebserzeugende Stoffwechselprodukte – bremsen können.

Studienergebnisse sind ausdrücklich kein Freibrief für Alkoholmissbrauch

Ganz ausdrücklich: Die Ergebnisse der Studie bedeuten nicht, dass Alkoholmissbrauch durch erhöhten Kaffeekonsum gesünder würde. Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer kommt bei einem exzessiven Konsum von Kaffee und von Alkohol ein weiterer Aspekt hinzu: Vielen Menschen geht es dabei um eine “wirksame” Kompensation einer zu großen alltäglichen Belastung – Kaffee soll dabei Konzentration und Leistungsfähigkeit erhöhen, alkoholische Getränke nach dem endgültigen Feierabend für Entspannung sorgen. In unseren Intensivtrainings zur Prävention von Alkoholproblemen widmen wir uns nicht nur dem Thema “Sucht” im engeren Sinne, sondern stärken Ihre persönlichen Ressourcen für das Erreichen einer optimalen Balance in Ihrem Alltag, die es erlaubt, diesen ohne Alkohol und andere Stimulanzien, wohl aber mit Genuss, zu leben.

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Datum: Dienstag, 26. März 2013 11:52
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