Jugendliche “Koma-Säufer” – ihre Zahl bleibt alarmierend

Nachdem in den letzten Monaten verschiedene Krankenkassen ihre “Alkohol-Statistik” auf Landesebene ausgewertet hatten und danach alarmierende Zahlen für stationär behandelte jugendliche “Koma-Säufer” meldeten, legte jetzt auch das Statistische Bundesamt die entsprechenden Zahlen vor. Demnach ist bundesweit die Zahl der Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung in Krankenhäuser eingeliefert wurden, im Jahr 2011 wieder leicht angestiegen. Besorgniserregend ist insbesondere der Anstieg dieser Fälle in der Altersgruppe zwischen zehn und 15 Jahren. Insgesamt sind Jungen gefährdeter als Mädchen.

2011 wurden in bundesdeutschen Krankenhäusern 26.349 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 20 Jahren wegen eines Vollrauschs stationär behandelt. Im Vorjahr waren es “nur” 25.995 Fälle. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung wurden 2011 in dieser Altersgruppe pro 100.000 Einwohner 325 Personen nach Alkoholexzessen in Krankenhäuser aufgenommen, im Vergleich zu 2010 ist damit ein leichter Anstieg um 3,3 Prozent gegeben. Die Brisanz der Daten für 2010 und 2011 zeigt sich in einem längerfristigen Vergleich: Im Jahr 2005 wurden “nur” 19.423 Kinder und Jugendliche volltrunken in Krankenhäuser eingeliefert, in den Folgejahren lag dieser Wert konstant und deutlich über 20.000 Fällen.

Starker Anstieg bei Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 15 Jahren

Als besonders besorgniserregend wertete die Drogenbeauftragte des Bundes, Mechthild Dyckmans (FDP) den Anstieg von Alkoholexzessen zehn- bis 15-jähriger junger Menschen, bei denen Krankenhausaufnahmen aus diesem Grund um 2,1 Prozent zugenommen hatten. Die Aufklärung von Kindern und Jugendlichen über die Gefahren des Rauschtrinkens sei daher nach wie vor eine zentrale Frage, zumal früher Alkoholkonsum zu langfristigen Gesundheitsschäden führen und die Grundlage für eine Sucht-Karriere schaffen könne.

Alkoholkonsum junger Männer endet besonders oft im Vollrausch

Am dramatischsten sind allerdings die Zahlen der “Koma-Säufer” unter den 15- bis 20-jährigen jungen Männern, von denen von 100.000 Einwohnern jeweils 670 Personen mit einer Alkoholvergiftung in die Notaufnahme kamen. Im Jahr 2000 wurden in dieser Altersgruppe 4.726 derartige Fälle aktenkundig, 2011 hat sich dieser Wert mit 14.239 Personen mehr als verdreifacht. Generell neigen Jungen im Vergleich zu Mädchen stärker zu Alkoholexzessen und stellten rund 62 Prozent der deshalb stationär behandelten Patienten. Ihr Anteil in der Gesamtbevölkerung der erfassten Altersgruppe liegt dagegen nur bei 51 Prozent.

Limitierte Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen

Die Wiesbadener Statistik verweist damit auch darauf, wie verheerend sich gerade die ersten Erfahrungen mit Alkohol gestalten können. Die Wirksamkeit der Präventionsmaßnahmen des Bundes sowie der Länder und Kommunen erscheinen angesichts der aktuellen Zahlen limitiert. Seit 2009 betreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Alkoholprävention bei Jugendlichen unter anderem die Kampagne “Kenn dein Limit“, deren Resultate sie insgesamt als “großen Erfolg” bewertet. Nicht nur die Daten des Statistischen Bundesamtes, sondern auch der Drogen- und Suchtbericht 2012 zeigen allerdings ein anderes Bild: In dieser Studie gaben 14 Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen und 40 Prozent der 18- bis 25-jährigen an, mindestens einmal in der Woche Alkohol zu trinken. Als alkoholkrank gelten in Deutschland insgesamt mindestens 1,3 Millionen Menschen.

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Datum: Mittwoch, 6. Februar 2013 10:47
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