Jugendliche in den USA – “legaler” Alkoholkonsum mit falschen Ausweispapieren aus dem Internet

Andere Länder – andere Regeln. In Deutschland dürfen Jugendliche ab 16 Jahren Bier, Wein und Sekt legal erwerben, Hochprozentiges ist bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres tabu. Für US-Amerikaner ist der Konsum von Alkohol bis zur Volljährigkeit mit 21 Jahren generell verboten. Für den Eintritt ins Militär dürfen sie sich dagegen schon mit 18 Jahren entscheiden, in einigen Bundesstaaten erhalten die Kids bereits mit 15 ihren Führerschein.

Binge-Drinking – in den USA stärker ausgeprägt als in Deutschland

Die strikte Gesetzgebung in den USA hat allerdings einen riskanten/übermäßigen Alkoholkonsum junger Menschen nicht ausgeschaltet. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde konsumierten 28,2 Prozent der Amerikaner im Alter zwischen zehn und 20 Jahren mindestens einmal in der Woche alkoholische Getränke – damit unterscheiden sie sich nur unwesentlich von zwölf- bis 17-jährigen Teenagern in Deutschland, von denen laut dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung im Jahr 2011 rund 27 Prozent derart regelmäßig tranken.

In den Vereinigten Staaten spielt jedoch das sogenannte Binge-Drinking eine deutlich größere Rolle: 23 Prozent der US-Amerikaner zwischen zwölf und 20 Jahren konsumierten 2011 mindestens einmal im Monat mehr als fünf alkoholische Getränke an einem Abend. In Deutschland tranken dagegen nur 15 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren der Tendenz nach exzessiv.

Der Alkohol-Konsum von Jugendlichen in den USA ist eng mit der sogenannten College-Kultur verbunden. Alkohol in größeren Mengen inklusive “Koma-Saufen” gehört dort oft zum “guten Ton”. An die alkoholischen Getränke kommen die Jugendlichen auf verschiedenen Wegen. Informelle College-Partys im Studentenwohnheim, für die volljährige Kommilitonen den “booze” – also den Alkohol – besorgen, sind dabei die “traditionelle” Variante, die für viele Studenten fast täglich eine Rolle spielt. Wer unter 21 ist und abends Bars, Clubs oder Restaurants besuchen will, besorgt sich stattdessen gefälschte Ausweispapiere im Internet.

Gefälschte Ausweise als “soziale Pflicht”

Die US-amerikanische Studentin Olivia McMiller (19) bezeichnete gegenüber “n-tv” gefälschte Ausweise spätestens am College als “soziale Pflicht”. Die Papiere, die den Rausch erlauben, kommen zum Preis von 50 bis 200 US-Dollar beispielsweise aus China – ein Unrechtsbewusstsein haben die jungen Amerikaner bei der Bestellung und der Verwendung in der Regel nicht. Trotzdem fand die angehende Juristin nicht, dass die USA ihre Jugendschutz-Gesetze lockern sollten, das Binge-Drinking als ein Teil der College-Kultur würde damit lediglich noch unterstützt.

Aus Sicht der GesundheitsakademieSchmidbauer wirft diese Konstellation – natürlich aus deutscher Perspektive – ein Licht auf Sinn und Grenzen von präventiven Alkoholverboten, die innerhalb der aktuellen Alkohol-Debatte ja auch hierzulande oft gefordert werden. Auch das deutsche Jugendschutzgesetz zeigt klare Grenzen auf – die von den Jugendlichen, aber auch vom Handel und von Veranstaltern oft umgangen werden, wie regelmäßige Kontrollen der Abgabe-Praxis von Alkohol an Jugendliche immer wieder zeigen. Gesetze und Verbote schaffen zwar einen Rahmen, haben ohne nachhaltige Präventionsarbeit durch zielgruppengerechte Information und Aufklärung jedoch nur begrenzte Wirkung.

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Datum: Freitag, 4. Januar 2013 10:00
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