Jedes achte Kind in Dortmund leidet unter der Alkoholabhängigkeit der Eltern

Aus Dortmund kam jetzt eine alarmierende und auch erschreckende Meldung: In der nordrhein-westfälischen Stadt leiden rund 10.000 Eltern – und vor allem ihre Kinder – unter Alkoholsucht. Damit ist in Dortmund jedes achte Kind von der Alkoholabhängigkeit eines oder beider Eltern betroffen. Trotz des Engagements von 15 Kooperationspartnern vom Gesundheitsamt bis zu verschiedenen Selbsthilfegruppen sind die Hilfsmöglichkeiten in der Praxis eher begrenzt.

Im vergangenen Jahr konnten die “offiziellen” und ehrenamtlichen Helfer zwar die Situation von 350 betroffenen Familien nachhaltig verbessern, trotzdem werden – auch durch familiäre und gesellschaftliche Tabus in Bezug auf Alkoholprobleme – noch zu viele Kinder mit den Folgen der Sucht der Eltern dauerhaft allein gelassen.

Alkoholmissbrauch in der Familie – ein gesellschaftliches Tabu

Alkoholkonsum ist in unseren Breiten sozial absolut akzeptiert und gilt vielen als “Kulturgut” – die Folgen übermäßigen Trinkens für die Kinder aus Alkoholiker-Familien sind dagegen kaum ein Thema. Der Alkoholmissbrauch der Eltern wird oft nur zufällig entdeckt: Bei einem Routine-Besuch des Gesundheitsamtes nach der Geburt des Kindes fällt der chaotische Zustand der Wohnung auf, eine Mutter holt ihr Kind in angetrunkenem Zustand von der Kita ab, ein Schüler spricht über seine durch die Sucht der Eltern bedingten Schwierigkeiten mit einem Lehrer.

In Dortmund lernen Kinder und Eltern danach oft die Sozialarbeiterin Kirsten Grabowsky kennen, die beim Jugendamt der Stadt seit 2006 den Arbeitskreis “Hilfen für Kinder alkoholkranker Eltern” entwickelt hat und sich dabei auch im die “alltäglichen Katastrophen” im Kinderzimmer kümmert. Daneben kümmert sie sich pro Jahr um rund 60 Jugendliche, die zuvor mit einem Vollrausch in Krankenhäuser aufgenommen worden waren.

Stabilisierung der Familien – im Fokus der Dortmunder Behörden

Kirsten Grabowsky weiß, dass viele Eltern froh sind, wenn das Schweigen über ihre Alkoholsucht endlich gebrochen wird und sich jemand den Problemen der betroffenen Familie annimmt. Ihr Chef – der Leiter des Dortmunder Jugendamtes Ulrich Bösebeck – betonte, dass es bei diesen Hilfestellungen nicht darum gehe, Schuldzuweisungen zu treffen und die Eltern beispielsweise durch den Entzug der Kinder zu “bestrafen”. Vielmehr stehe die Stabilisierung der Familien im Zentrum der Arbeit seines Teams. Bei 20 Familien mit schweren Alkoholproblemen habe man mit diesem Ansatz bisher geschafft, die Heimunterbringung der Kinder zu vermeiden.

Aus Sicht der Fachstelle für Suchtvorbeugung sind in diesem Kontext nicht zuletzt die Grenzen zwischen dem gewohnheitsmäßigen Konsum von Alkohol und einer expliziten Suchtgefährdung problematisch. Wann fangen beispielsweise die Gefahren des übermäßigen Trinkens der Eltern für ihre Kinder wirklich an – bei der negativen Vorbildwirkung durch die ständige Präsenz von Alkohol im Familienalltag oder erst bei physischen oder psychischen Übergriffen im betrunkenen Zustand? Jeder einzelne müsse hier lernen, das eigene Trinkverhalten kritisch zu durchleuchten.

Das Experten-Team der Gesundheitsakademie Schmidbauer ist der Meinung, dass eine gesunde und suchtferne Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mindestens durch den gewohnheitsmäßigen Alkoholmissbrauch der Eltern in hohem Maß gestört wird. Wenn Sie bemerken, dass Alkohol in Ihrem privaten Leben eine immer größere Rolle spielt, ist auch im Sinn Ihrer Familie Handlungsbedarf gegeben. In unseren Intensivtrainings begleiten wir Sie auf Ihrem persönlichen Weg aus dem Teufelskreis der Suchtentwicklung und in ein selbstbestimmtes Leben ohne Alkohol.

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Datum: Montag, 1. Oktober 2012 11:35
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