Jahrbuch Sucht 2013: Eine Badewanne voller Alkohol pro Jahr

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) veröffentlichte soeben ihr Jahrbuch Sucht 2013. Das Datenmaterial dafür wurde im Jahr 2012 erhoben und macht deutlich, dass die legalen “Volksdrogen” Alkohol und Tabak nach wie vor die präferierten Suchtstoffe der Deutschen sind.

Statistisch gesehen konsumierte jeder Deutsche im Untersuchungszeitraum knapp 137 Liter alkoholische Getränke und damit in etwa eine Badewanne voller Alkohol. Der brisante Cocktail enthält im Durchschnitt 107 Liter Bier, 20 Liter Wein, vier Liter Schaumwein sowie rund fünf Liter gebrannten Alkohol, in diesen Mengen sind insgesamt knapp zehn Liter reiner Alkohol enthalten. Der Alkoholkonsum der Deutschen ist damit im Vergleich zum Vorjahr fast gleich geblieben. Im europäischen Vergleich belegen wir damit Rang 13 (von 34).

74.000 Todesfälle und 26,7 Milliarden volkswirtschaftliche Schäden durch Alkohol

DHS-Mitarbeiterin Gabriele Bartsch kommentierte, dass viele Menschen die gesundheitlichen Risiken durch Alkohol trotz aller Präventionsmaßnahmen dramatisch unterschätzen. Rund 8,5 Millionen Menschen trinken täglich in einem riskanten Ausmaß Alkohol. Die Folgen bestehen in psychischen Problemen – beispielsweise ist Alkoholmissbrauch der häufigste Grund für eine vollstationäre Behandlung männlicher Psychiatrie-Patienten – in Schäden an verschiedenen Organen und einer signifikant erhöhten Krebsgefährdung.

Pro Jahr sterben in Deutschland rund 74.000 Menschen entweder an den Folgen ihres Alkoholkonsums oder der Kombination von Alkohol und Rauchen. Durch alkoholbedingte Erkrankungen inklusive Fehlzeiten oder Frühverrentung entstehen pro Jahr volkswirtschaftliche Schäden von 26,7 Milliarden Euro. Auch bei zahlreichen Verkehrsunfällen ist Alkohol im Spiel – 2011 war bei insgesamt 16.000 Unfällen mindestens einer der Beteiligten angetrunken.

Junge Raucher: Niedrigster Stand seit 30 Jahren

Im Hinblick auf den Konsum von Tabak meldete die DHS dagegen einen positiven Trend – während der Durchschnittsdeutsche 2011 noch 1.071 Zigaretten rauchte, ist dieser Wert im letzten Jahr auf 1.008 gesunken. Dieser Rückgang ergibt sich vor allem aus dem geringeren Anteil junger Raucher. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren greifen, wenn überhaupt, nur noch rund zwölf Prozent gelegentlich zu Zigaretten – einen solcher Tiefstand gab es zum letzten Mal zu Beginn der 1980er Jahre. Insgesamt rauchen zwischen 26 und 30 Prozent der Deutschen, der Raucheranteil bei den Männern liegt dabei um rund sieben bis zwölf Prozentpunkte höher als bei Frauen.

1,4 Millionen medikamentenabhängige Menschen

Zu den durch Alkohol und Nikotin akut gefährdeten Personen kommen laut DHS 1,4 Millionen Menschen mit einer Medikamentenabhängigkeit. Eine zentrale Rolle spielen dabei Schlafmittel und Tranquilizer. Illegale Drogen werden dagegen in deutlich kleinerem Ausmaß und nur von rund fünf Prozent der deutschen Wohnbevölkerung im Alter über 15 Jahren konsumiert. In ihrem Suchtbericht 2013 hob die DHS jedoch wachsende Probleme mit der synthetischen Droge Crystal Meth – der kristallinen Form von Methamphetamin – hervor. Insgesamt konstatieren die Experten einen Trend zu Zeitgeistdrogen, die leistungsbereiter und wacher machen, wofür Crystal Meth exemplarisch steht.

Der stellvertretende DHS-Vorsitzende Theo Wessel hob hervor, dass Deutschland über ein sehr gutes und professionelles Suchthilfe-Versorgungssystem verfüge, ein einheitliches Leistungsgesetz sei in diesem Rahmen jedoch überfällig. Außerdem müsse speziell in Bezug auf Alkohol die Präventionsarbeit noch verbessert werden. Als Beispiel sowie Zielvorgabe dafür nannte er den Mix aus Gesetzesvorgaben und individualisierter Prävention, der bei der Tabakwerbung bereits sehr gut funktioniere.

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Datum: Freitag, 5. April 2013 11:22
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