Innere Blockaden oder “die Angst, sich selbst zu äußern”

Ein früherer Beitrag widmete sich dem Zusammenhang von Sucht und Trauma, aber: Traumata und ihre Folgen resultieren grundsätzlich aus einer Extremerfahrung. Die Anfänge der Traumaforschung liegen in der psychischen Bewältigung von Kriegserlebnissen, Kriegsgefangenschaft, KZ-Haft und vergleichbar einschneidenden Erfahrungen. Auch heute “beschränkt” sich die Definition des Traumas auf die Auswirkungen von “Katastrophen” im engeren Sinne respektive extremer physischer und/oder psychischer Gewalt. Krankmachende und Suchtverhalten begünstigende lebensgeschichtliche und psychische Konstellationen unterhalb dieser Schwelle werden von der Raumforschung nicht berührt – in unserem Alltag sind jedoch keine expliziten Trauma-Situationen, sonder gerade diese “kleineren” Faktoren relevant.

“Alkoholsucht ist die Angst, sich selbst zu äußern”

Auf der Seite einer Online-Selbsthilfegruppe, die sich an Alkoholgefährdete und -Kranke wendet, findet sich sinngemäß der Satz “Alkoholsucht ist die Angst, sich selbst zu äußern” – eine “Grundangst”, die Alkoholabhängige unbewusst meist ein Leben lang begleitet und unter anderem für Rückfälle nach erfolgreichen Interventionen/Therapien verantwortlich ist. Alkohol wirkt hier – wie in allen anderen Trink-Konstellationen, beispielsweise Entspannungstrinken/Alkohol zur Stresskompensation – zunächst ambivalent: Die Betroffenen trinken, um ihre “inneren Blockaden” – den Verlust des Kontakts zu den eigenen Emotionen oder einem als problematisch erlebten sozialen Umfeld – aufzubrechen sowie innere Spannungen zurückzudrängen.

“Erfolg” haben sie damit – wenn überhaupt – nur temporär, gleichzeitig öffnet sich durch diese Strategie für viele eine Suchtspirale. Im Extremfall blockiert irgendwann der Alkohol auch den Zugang zum realen Leben.

Innere Blockaden – Negativ-Programm mit lebenslangen Folgen

Mentale Blockaden beruhen im Kern auf einer “negativen Programmierung”, deren Wurzeln oft schon in der Kindheit liegen und eine Abwehr der individuellen Lebensrealität und ihrer tatsächlichen Möglichkeiten zur Folge haben. “Ich kann/darf nicht”, “Ich bin nicht fähig” oder andere Negativ-Affirmationen werden im Laufe der Zeit zu unbewussten, jedoch persönliche Identität bestimmenden Glaubenssätzen. Die scheinbare Sinnlosigkeit/Aussichtslosigkeit der eigenen Situation korrespondiert auch hier oft mit dem Bedürfnis, die gefühlten Defizite durch Suchtverhalten zu verdrängen.

Das Erarbeiten positiver Alternativen, Verhaltensänderungen sowie die kognitive und emotionale Aufarbeitung der Blockaden erfordert ebenfalls oft professionelle Hilfe und Begleitung – falls Sie sich hierbei für die Gesundheitsakademie Schmidbauer entscheiden, freuen wir uns darauf, die ersten Schritte auf diesem Weg gemeinsam mit Ihnen zu gehen.

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Datum: Mittwoch, 21. März 2012 10:46
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