“HaLT Alkohol Notfall” – Android-App gegen Komasaufen

Das Komasaufen Jugendlicher kommt in den Medien immer dann zur Sprache, wenn Alkoholexzesse irgendwo wieder einmal ihre “Opfer” fordern. Die Statistiken verschiedener Krankenkassen belegen bundesweit, dass die Zahl von jugendlichen Trinkern zunimmt, die mit einem akuten Rausch in den Notaufnahmen der Krankenhäuser landen, seit Jahren kontinuierlich wächst.

Sabine Kowalewski von der “Fachstelle für Sucht und Suchtprävention” in Herzberg/Harz und der Jugendpfleger Stefan Buchholz aus Bad Lauterberg haben als Hilfsmittel für Notsituationen durch Alkoholmissbrauch jetzt eine Smartphone-App entwickelt, die bei potentiell lebensbedrohlichen alkoholbedingten Zusammenbrüchen eine schnelle Hilfestellung leistet. Außerdem klärt sie über Alkoholgefahren auf und regt die Jugendlichen dazu an, ihren eigenen Alkoholkonsum kritisch zu überdenken. Beim Wettbewerb “Alkoholprävention” der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) belegten Sabine Kowalewski und Stefan Buchholz mit ihrer Smartphone-App einen zweiten Platz. Die Jury würdigte bei der Preisverleihung unter anderem ihre Bearbeitung “neuer Zugänge und Methoden” sowie den nachhaltigen Ansatz des Projekts. Mit ihrem Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro wollen die beiden IT-versierten Suchtexperten neben einer verbesserten Android-Version jetzt auch eine identische Anwendung für das iPhone veröffentlichen. Sabine Kowalewski sagte im Interview dazu, dass sie Jugendliche mit einer mobilen App ohne “erhobenen Zeigefinger” und viel besser erreichen könnten als mit einer herkömmlichen Broschüre – ihr Smartphone haben die Vertreter dieser Altersgruppe garantiert immer dabei.

Notfall-Hilfe und präventive Tipps

Die Smartphone-App mit dem Namen “HaLT Alkohol Notfall” ist die erste Anti-Alkohol-Präventions-App in deutscher Sprache. Im Extremfall hilft sie den jugendlichen Nutzern auch dabei, bei einem Freund in lebensbedrohlichen Situationen auch eine Herzdruck-Massage richtig auszuführen, parallel dazu wird durch die App der Notarzt automatisch angerufen. Vor der Benachrichtigung der professionellen Helfer fragt die Anwendung diverse Punkte ab, erklärt notwendige Maßnahmen wie eine stabile Seitenlage und hilft den Jugendlichen sowie dem Arzt, das Ausmaß der Vergiftung richtig einzuschätzen. Daneben gibt es Tipps für einen moderaten Umgang mit alkoholischen Getränken, beispielsweise in einer Party-Nacht nichts Hochprozentiges oder Mixgetränke mit hartem Alkohol zu trinken. In einer Verhaltenssimulation für den richtigen Umgang mit Betrunkenen gibt es “Coolness-Punkte”, ein Quiz widmet sich weit verbreiteten Mythen über Alkohol von “Kaffee hilft” bis “Kaltes Duschen gegen den akuten Rausch”.

Zielgruppenspezifisches und hohes Wirkungspotenzial

Der Therapie-Forscher Johannes Thrul aus München bescheinigte der Gratis-App von Sabine Kowalewski und Stefan Buchholz ein zielgruppenspezifisches und hohes Wirkungspotential, das unter anderem durch bisher 1.800 Downloads bestätigt wird. Die App-Entwickler gehen davon aus, dass ihr Konzept auch dabei helfen kann, hohe Summen für konventionelle Präventionskampagnen einzusparen, da es die Jugendlichen dort abholt, wo sie in ihrem Alltag sowieso präsent sind. Sabine Kowalewski nutzt für ihre Präventionsarbeit deshalb auch soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter.

Im Jahr 2011 erlitten laut Statistischem Bundesamt insgesamt 26.349 Kinderund Jugendliche im Alter zwischen zehn und 20 Jahren eine akute Alkoholvergiftung und wurden deshalb stationär behandelt. Im schlimmsten Fall können schon wenige Schlucke harter Alkohol zu einem körperlichen Zusammenbruch und langfristigen Schädigungen führen.

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Datum: Dienstag, 23. April 2013 11:26
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