Großbritannien plant ab 2014 Mindestpreis für Alkohol

Die Diskussion um eine höhere Besteuerung alkoholischer Getränke sowie weiterführende Restriktionen für den Konsum von Alkohol steht auch in Deutschland schon seit einigen Jahren im Raum – eine intensive Debatte oder gesetzgeberische Konsequenzen hat es allerdings bisher kaum gegeben. Dabei zeigen die Durchsetzung – und die Akzeptanz – des Rauchverbots in öffentlichen Gebäuden, dass das gesellschaftliche Klima für einen neuen Umgang mit Suchtstoffen und ihren Erkrankungsrisiken durchaus vorhanden ist, wenn rechtliche Konsequenzen mit Aufklärungskampagnen gekoppelt werden. Die Preiserhöhungen für Alkopops sowie das Verbot ihrer Abgabe an Jugendliche unter 18 Jahren haben außerdem dafür gesorgt, dass die Mischungen aus “hartem” Alkohol und Limonaden als Alkohol-Einstieg für Jugendliche kaum noch relevant sind.

Großbritannien will jetzt eine entsprechende Gesetzesinitiative starten. Ab 2014 soll für Alkohol ein gesetzlicher Mindestpreis gelten, der nach heutigen Überlegungen bei etwa 40 Pence (0,50 Euro) pro Alkoholeinheit liegen wird – eine verbindliche Entscheidung soll im Herbst 2012 getroffen werden. Bisher gibt es in Großbritannien Billig-Alkohol im Supermarkt bereits für weniger als 20 Pence (0,24 Euro) pro Alkoholeinheit. Eine Zwei-Liter-Flasche Cidre mit 15 Einheiten reinen Alkohols kostet derzeit beispielsweise nur 2,69 Pfund (3,20 Euro) – nach dem neuen Alkohol-Gesetz würde ihr Preis auf etwa sechs Pfund (7,20 Euro) steigen.

“Kultur des vernünftigen Trinkens” als Kampagnenziel

Premierminister David Cameron und seine Regierung möchten damit unter anderem Alkoholexzesse jüngerer Leute begrenzen, die – gerade durch den Konsum des Billig-Alkohols – zunehmend zu Gewalt und Störungen der öffentlichen Ordnung führen. Innenministerin Theresa May möchte demgegenüber mittelfristig eine “Kultur des vernünftigen Trinkens” etablieren. Als weitere Bestandteile ihrer “Anti-Alkohol-Strategie” nannte sie eine zusätzliche Straßenreinigung-Abgabe für Clubs mit nächtlichem Alkoholausschank sowie die Möglichkeit einer elektronischen “Nüchternheitsfessel” für verurteilte und mit einem Alkoholverbot belegte Straftäter.

Kritiker: eine Kampagne vor allem gegen Geringverdiener

Polizei und Gesundheitsexperten fordern im sehr alkoholaffinen Großbritannien bereits seit langem einen Mindestpreis für Alkohol. Kritiker werteten das Programm allerdings als “Kampagne gegen Geringverdiener” und bezweifelten außerdem – anhand von Beispielen wie Skandinavien oder Kanada mit sehr hoher Alkoholbesteuerung – den Zusammenhang von Preiserhöhungen und sinkendem Alkoholkonsum.

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Datum: Montag, 26. März 2012 11:29
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