Genvarianten machen Menschen anfälliger für Alkohol

Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei riskantem Alkoholkonsum und der Entstehung einer Alkoholsucht auch die Gene eine Rolle spielen. Wissenschaftler des Londonder King´s College hatten bereits 2011 geschrieben, dass genetische Faktoren dazu führen können, dass Menschen unkontrolliert trinken oder eine explizite Sucht entwickeln.

2011 hatten die Forscher zunächst mehrere Gen-Veränderungen im Gen “RASGRF-2″ identifiziert, die bei männlichen Probanden zu einer Veränderung des Trinkverhaltens führten. Die Wirkungsweise einer dieser Varianten haben sie nun näher untersucht und die Ergebnisse im Fachjournal “Proceedings of the National Academy of Sciences” publiziert.

Gen-Tests und “Gehirn-Scans” an 660 jungen männlichen Probanden

Das Gen “RASGRF-2″ beeinflusst unter anderem die Dopamin-Ausschüttung und damit das Belohnungssystem unseres Gehirns. Menschen mit einer spezifischen Veränderung des Gens erleben demnach beim Konsum von Alkohol eine “tiefere Befriedigung” als Personen ohne diese Mutation. Im Endeffekt führt dies dazu, dass die Betroffenen zu einem intensiveren Alkoholkonsum neigen. Die Wissenschaftler zeigten diese Wirkungsweise der Veränderungen an “RASGRF-2″ im Tierversuch an Mäusen, aber auch anhand von Daten, die sie aus einer Europa-weiten “Imagen”-Studie zum Verhalten Jugendlicher zogen.

In der Studie hatten sich über 660 17-jährige Jungen einem sogenannten Hirn-Scan unterzogen, bei dem sie für die Lösungen verschiedener Aufgaben Belohnungen erwarten konnten. Die Testpersonen hatten bisher sehr wenig oder keinen Alkohol getrunken. Jungen mit den entsprechenden Veränderungen an “RASGRF-2″ zeigten während des Wartens auf die Belohnung eine deutlich stärkere Dopamin-Ausschüttung, das Feed-Back auf die Belohnung war dagegen bei allen Getesteten identisch. Zwei Jahre später zeigte sich, dass die Jungen mit auffälligem “RASGRF-2″-Gen im Durchschnitt bereits mehr und öfter Alkohol getrunken hatten als die anderen Probanden. Die Daten von Mädchen wurden in die Auswertung nicht einbezogen, da der genetische Zusammenhang sich beim Start der Untersuchung ausschließlich bei Jungen/Männern zeigte.

Forschungen sollen Prävention und Therapie von Alkoholproblemen unterstützen

Die Wissenschaftler nehmen an, dass auch weitere Gene, die Einfluss auf den Dopamin-Haushalt besitzen, zu einem verstärkten Konsum von alkoholischen Getränken führen können. Weitere Forschungen zu den exakten Mechanismen sollen helfen, die Präventionsarbeit unter Jugendlichen zu verbessern und neue Therapien der Alkoholsucht zu entwickeln. Gleichzeitig stellten die Forscher klar, dass Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht nicht nur genetische Ursachen haben – Alkoholprävention sei daher auch in Bezug auf andere Faktoren, etwa die gesellschaftliche Einstellung zum Konsum von Alkohol, wichtig.

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Datum: Mittwoch, 5. Dezember 2012 11:39
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