Frauen und Alkohol – die Tücken des “sozialen Glases”

In unserem Unterbewusstsein verorten wir Alkoholkonsum und Alkoholsucht noch überwiegend männlich. Die Realität und aktuelle Studien sprechen allerdings eine andere Sprache: Jede fünfte Frau in der Altersgruppe zwischen 45 und 54 trinkt täglich mindestens ein alkoholisches Getränk. 2010 lebten in Deutschland rund 370.000 Alkoholikerinnen und stellten damit etwa ein Viertel aller alkoholkranken Personen. Auch die Idee, dass diese Frauen hauptsächlich am Rande der Gesellschaft leben, ist nicht mehr zeitgemäß. Moderne Trinkerinnen sind oft Karrierefrauen; Wissenschaftler und Gesundheitspolitiker bescheinigen vor allem Akademikerinnen ein hohes Alkoholismus-Risiko.

Das “soziale Glas” – schleichender Einstieg in die Sucht

Networking sowie soziale Kompetenzen sind im heutigen Arbeitsalltag wichtig – und gewinnen an Bedeutung, wenn jemand auf der Karriereleiter aufsteigt. Leider spielt Alkohol auch bei vielen Business-Ritualen eine zentrale Rolle – ein wichtiger Vertragsabschluss wird mit einem Glas Sekt gefeiert,
Geschäftsessen werden ebenfalls oft von Alkohol “gekrönt”, nachmittags folgt eine Geburtstagsrunde. Fakt ist, dass Alkohol in vielen Büros in Deutschland Alltagsstatus hat und Frauen sich Trinkanlässen oft schon deshalb nicht entziehen, weil die Ablehnung des “sozialen Glases” einen Akzeptanzbruch darstellt, den Chef und Kollegen oft nicht goutieren. Auch bei Freizeitaktivitäten ist immer wieder Alkohol dabei – etwa ein Glas Prosecco zur Entspannung oder das “Weinchen” mit der Freundin. Die Kombination beider Szenarien führt auch bei vielen Frauen zu einem schleichenden Einstieg in die Sucht.

Frauen haben niedrigere Alkoholtoleranz als Männer

Problematisch an dieser “Trink-Kultur” ist nicht zuletzt, dass Frauen über eine niedrigere Alkoholtoleranz verfügen und schneller alkoholabhängig werden als Männer. Bei gleicher Trinkmenge ist die vom Körpergewicht abhängige Blutalkohol-Konzentration bei Frauen durch ihr geringeres Gewicht sowie den höheren Anteil an Fettgewebe höher. Zudem baut der männliche Körper Alkohol bereits im Magen ab, bei Frauen werden die entsprechenden Enzyme erst im Darmtrakt tätig.
Auch die Schädigung der Leber durch Alkohol erfolgt bei Frauen schneller. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. definiert die täglichen Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum mit bis zu zwölf Gramm Alkohol für Frauen respektive bis zu 24 Gramm für Männer – zur Orientierung: 0,33 Liter Bier enthalten etwa 13 Gramm reinen Alkohol.

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Datum: Freitag, 9. März 2012 11:22
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