Forderung nach strengeren Alkohol-Limits für Fahrradfahrer

Radfahrer haben es bisher “gut” – zumindest theoretisch können sie sich mit bis zu 1,6 Promille Blutalkohol im Straßenverkehr bewegen, ohne dass ihnen Sanktionen drohen. Versicherungsgesellschaften und Verkehrsexperten fordern in Schleswig-Holstein jetzt eine Gesetzesänderung und identische Promille-Limits für alle Verkehrsteilnehmer. Eine Blutalkohol-Konzentration von 1,6 Promille bedeutet: Der Betreffende hat einen ausgeprägten Rausch, wahrscheinlich bereits Sprachstörungen und eine stark erhöhte Risiko- und Aggressionsbereitschaft. Dr. Ivana Gerling, Gerichtsmedizinerin an der Uni-Klinik Schleswig-Holstein, hält Fahrradfahren mit diesem Alkohol-Pegel für “maßlos gefährlich” – die Fahrer sind nicht nur für sich selbst, sondern auch für Fußgänger ein Risiko.

Jeder achte Unfall-Fahrradfahrer war 2010 alkoholisiert

Vor allem die Versicherer drängten jetzt auf eine öffentliche Diskussion des Themas. Nach Statistiken des Auto Clubs Europa (ACE) aus dem Jahr 2010 war lediglich jeder 22. PKW-Verkehrsunfall auf Alkoholeinfluss zurückzuführen, dagegen stand jeder achte Fahrradfahrer, der in einen Unfall mit Personenschaden involviert war, unter Alkohol. Die Dunkelziffer ist nach Ansicht der Versicherungsgesellschaften deutlich höher, da Radfahrer, die nach dem Konsum von Alkohol stürzen und sich behandlungsbedürftig verletzen, durch die Polizei und damit die Versicherungen in der Regel nicht erfasst werden.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft plädierte jetzt für ein Gesetz, das Radfahren ab 0,8 Promille als Ordnungswidrigkeit und ab 1,1 Promille – unter dem Aspekt absoluter Fahruntüchtigkeit – als Straftat ahndet.

Unterstützung von Politik und Fahrrad-Lobby

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) bewertete die aktuelle Promille-Grenze für Radler als zu hoch, zumal viele schon ab einem Promille nicht mehr fähig sind, “vernünftig zu fahren”. Ein Sprecher des Verbandes betonte allerdings, dass die Zahl an Fahrradunfällen seit Jahren kontinuierlich zurückgeht. Von Politikern kam – zumindest in Schleswig-Holstein als dem Ausgangspunkt der Initiative – fraktionsübergreifende Rückendeckung. Die Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm formulierte es deutlich: Auch Radfahrer agieren nicht “im verkehrsleeren Raum”.

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Datum: Mittwoch, 4. April 2012 10:25
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