FIFA-Präsident Joseph S. Blatter: Fußball als Kulturgut und ohne Alkohol und Nikotin

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter ist seit jeher für provokative – und teils etwas skurrile – Äußerungen gut. Fußball-Interessierten ist vermutlich noch in Erinnerung, dass der FIFA-Chef das “Unentschieden” aus der WM-Wertungsskala verbannen wollte oder sich für größere Tore ausgesprochen hatte.

Rauchfreie Stadien und “Light-Bier”-Ausschank

Bei einer Gala des Schweizer Branchenverbandes “Walliser Wein” forderte der 76-jährige jetzt ein generelles Alkoholverbot im Fußball-Stadion. Die Schweizer Tageszeitung “Blick” zitierte ihn mit den Worten, dass er die Atmosphäre in den Kurven auf den Stand der Verhaltensregeln für Konzertsaal oder Oper bringen wolle. Alkohol und Tabak müssten daher aus den Stadien verschwinden – jedenfalls habe Blatter noch nie gesehen, dass jemand während einer Opernaufführung oder im Konzertsaal trinkt und raucht. Fußball ist aus seiner Sicht ein ebensolches Kulturgut wie die Events der klassischen Kultur – die Fans sollten daher auch im Stadion ein dem Anlass angemessenes Verhalten zeigen. Blatters Fazit: “Wir”, also alle Fans, sollten uns in den Stadien jetzt “ein bisschen erheben” und das Spiel auch ohne Alkohol und Nikotin genießen. Begrüßenswert fand er, dass es in vielen Stadien bereits rauchfreie Areale oder einen “Light-Bier”-Ausschank gibt.

In deutschen Fußballstadien gehört Bier bisher übrigens meist zum Standard, Einschränkungen gab es bisher nur für sogenannte Risiko-Spiele. Bei der Fußball-EM-2012 in Polen und der Ukraine galten erstmals strengere Regelungen im internationalen Maßstab – in den Stadien war grundsätzlich nur alkoholfreies Bier erlaubt.

Neu bei Blatters Ansatz: Alkoholfreiheit aus kulturellen Gründen

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer spricht Blatter zwar ein heikles Thema an, für viele Fans dürfte die Idee mit der direkt gegenläufigen Vorstellung kollidieren, dass Alkohol zu Festen, Events und eben auch im Stadion selbst ein wichtiges “Kulturgut” ist. Alkoholverbote wurden bisher vor allem im Hinblick auf das Verhindern von Ausschreitungen betrunkener Fans öffentlich besprochen. Blatters Verdienst in diesem Kontext ist, dass er Alkoholverbote nicht im präventiven Kontext, sondern als kulturelle Aktion auf die Agenda setzt. Die Öffentlichkeit, die er für dieses Konzept bekommt, hilft in Zukunft hoffentlich auch dabei, alkoholfreie Stadien in der Praxis zu erreichen.

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Datum: Montag, 17. Dezember 2012 11:46
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