Europäische Zulassung für neues Anti-Craving-Mittel Nalmefen

Moderne Anti-Craving-Mittel zur Überwindung einer Alkoholsucht blockieren die Rezeptoren für den Suchtstoff im Gehirn. Für eine nachhaltige Therapie der Alkoholkrankheit werden sie aus Experten-Sicht noch viel zu selten eingesetzt. Der Psychologe Professor Dr. Jürgen Rehm von der Technischen Universität Dresden kritisierte in seiner Arbeit bereits wiederholt die “suboptimale Behandlung alkoholkranker Patienten”. Seiner Schätzung nach könnten durch die Behandlung von nur 40 Prozent aller Patienten durch die Kombination von Anti-Craving-Mitteln und gezielter Psychotherapie alljährlich rund 2.000 alkoholbedingte Todesfälle verhindert werden.

Neben den bereits eingeführten Anti-Craving-Medikamenten – beispielsweise Acamprosat oder Naltrexon – kommt mit Nalmefen (Handelsname: Selincro) jetzt ein weiteres Anti-Craving-Mittel auf den deutschen und europäischen Markt. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die Zulassung des Präparates Mitte Dezember 2012 befürwortet, die offizielle Zulassung durch die Europäische Kommission wird vermutlich in der ersten Jahreshälfte 2013 folgen.

Opiat-Antagonist gegen exzessives Trinken

Nalmefen ist das erste Medikament zur Alkoholentwöhnung, das nicht die vollständige Abstinenz der alkoholkranken Patienten zum Ziel hat. Die EMA begründete ihre Befürwortung der Zulassung damit, dass der Opiat-Antagonist in klinischen Studien den zuvor hohen Alkoholkonsum der Probanden deutlich verringert hatte. Das Medikament wurde bereits in den 1980er Jahren erstmals eingeführt, hatte sich als Antidot bei Opiat-Überdosierungen jedoch als wenig wirkungsvoll erwiesen. In den 2000er Jahren wurde es von diversen Ärzten bereits als Off-Label-Präparat zur medikamentösen Therapie der Alkoholsucht eingesetzt, wurde vom Produzenten Bayer Healthcare jedoch 2008 vom Markt genommen.

Das Medikament soll durch seine blockierende Wirkung auf alle Opiat-Rezeptoren im Gehirn verhindern, dass durch die Freisetzung endogener (körpereigener) Opiate nach dem Konsum von Alkohol das Verlangen nach einem weiteren Glas entsteht. Nalmefen wird im Gegensatz zu anderen Anti-Craving-Mitteln nicht regelmäßig eingenommen, sondern wird vor einem geplanten Alkoholkonsum verwendet, um exzessives Trinken auszuschließen.

Innerhalb eines Jahres Reduktion des Alkoholkonsums um 60 Prozent

Die Wirksamkeit von Nalmefen wurde in drei verschiedenen Studien an rund 2.000 Patienten mit sehr hohen Trinkmengen getestet. Vor den Studien hatten sie im Schnitt pro Tag 10,5 “Standardgetränke” – oder beispielsweise eineinhalb Flaschen Wein – getrunken. Im ersten Studienmonat konnten sie mit Nalmefen ihren Alkoholkonsum um mehr als 40 Prozent verringern. Zum Studienende nach einem halben oder einem ganzen Jahr hatten sie ihren Alkoholverbrauch im Schnitt um 60 Prozent – oder eine Flasche Wein pro Tag – gesenkt. Das Medikament wurde in den Studien laut Herstellerangaben gut und ohne ernsthafte Komplikationen vertragen.

Nalmefen wird es vermutlich nur für Patienten geben, die pro Tag mehr als 60 Gramm (Männer) oder 40 Gramm (Frauen) reinen Alkohol konsumieren, keine körperlichen Entzugssymptome zeigen und bei denen aus medizinischer Sicht keine Entgiftung nötig ist. Außerdem darf es nur an alkoholkranke Patienten abgegeben werden, die parallel dazu auch eine psychosoziale Betreuung akzeptieren.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer ist der letzte Punkt für eine erfolgreiche Anti-Alkohol-Therapie oder “kontrolliertes Trinken” besonders wichtig. In einer gezielten Psychotherapie bewältigen Sie lebensgeschichtliche Aspekte, die ursprünglich zur Suchtentstehung führten und schaffen die Grundlagen für nachhaltige Verhaltensänderungen. In unseren Intensiv-Trainings gegen Alkoholprobleme steht Ihnen in einem “geschützten Raum” dabei ein erfahrenes und sensibles Therapeuten-Team zur Seite.

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Datum: Mittwoch, 26. Dezember 2012 10:00
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