Energydrinks und Alkohol – mit “Flügeln” in die Notaufnahme

Diesen Werbespot haben Sie mit Sicherheit schon einmal gesehen: Nach dem Genuss eines bekannten Powerdrinks hebt der Protagonist in die Lüfte ab – durch das konzentrierte Koffein sollen auch den Konsumenten der Getränke Flügel wachsen. Die Deutsche Ärztezeitung veröffentlichte jetzt einen brandaktuellen Beitrag, in dem die Autoren vor der gefährlichen Kombination von Energydrinks und Alkohol ausdrücklich warnen. Sie beziehen sich dabei auf Quellen aus den USA, die dieses Thema anhand der Ergebnisse verschiedener Studien aufgegriffen haben.

Energydrinks – auch ohne Alkohol nicht immer harmlos

Der in Deutschland vermutlich bekannteste Energydrink “Red Bull” enthält pro 250-Milliliter-Dose 80 Milligramm Koffein – auf den ersten Blick klingt dieser Wert völlig harmlos. Der Essener Kardiologe Professor Raimund Erbel geht allerdings davon aus, dass es in einer “langen Nacht” – während einer Party oder am Schreibtisch – nicht nur bei einem der Getränke bleibt. Wer mehrere Energydrinks hintereinander trinkt, riskiere durch den Koffeinschub bereits ohne Alkohol Symptome wie Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Schwindel, Schlafstörungen und Übelkeit. Schlimme Erfahrungen mit einem “Monster”-Drink mussten die US-Amerikaner machen: Das Produkt gleichen Namens enthält 240 Milligramm Koffein – die US-amerikanische Lebensmittelbehörde FDA ermittelt in diesem Zusammenhang jetzt wegen fünf Todesfällen.

Als lebensgefährlich gelten Werte ab rund 80 Mikrogramm Koffein pro Milliliter Blut, lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen können schon bei der schnellen Zufuhr von etwa 3 Gramm Koffein entstehen. Zum Vergleich: Eine Tasse Kaffee erzeugt einen Koffein-Blutspiegel von etwa einem bis zwei Mikrogramm pro Milliliter. Als Obergrenze für den Koffein-Konsum empfehlen Ärzte eine maximale Tagesdosis von 500 Milligramm Koffein, bei Jugendlichen liegt sie bei etwa 100 Milligramm.

Konzentriertes Koffein und Alkohol – Kontrollverlust und hohe Suchtgefahr

Gefährlich kann es auch bei vergleichsweise niedrigen Koffein-Dosierungen werden, wenn Energydrinks zusammen mit Hochprozentigem getrunken werden. Das Koffein wirkt in diesem Fall den sedierenden Effekten von Alkohol entgegen, so dass Überdosierungen und Vergiftungserscheinungen erst sehr spät wahrgenommen werden. Risiken, die durch den Alkoholkonsum entstehen, werden durch diese Kombination signifikant erhöht. Eine US-amerikanische Studie kam zu dem Ergebnis, das Studenten nach dem Konsum alkoholhaltiger Alkopops doppelt so stark gefährdet waren, einen Verkehrsunfall zu verursachen, sexuell übergriffig zu werden oder mit einem alkoholisierten Fahrer mitzufahren. Besonders tückisch sei in diesem Kontext, dass das Koffein zwar den “hemmenden Effekt des Alkohols” auf die Reaktionszeit antagonisiert, jedoch die Auswirkungen des Alkohols auf die Kontrollfunktionen nicht berührt. Eine andere Studie verweist auf das erhöhte Suchtrisiko, das sich aus dem Konsum von Energydrinks und Alkohol ergibt, der oft zu einem ausgeprägten Alkoholismus führe.

Echte “Energy-Shots” mit einem Koffeingehalt bis zu 300 Milligramm pro Dose sind bisher vorwiegend ein US-amerikanisches Problem, in Deutschland sind für den offiziellen Verkauf als Energydrink nur Produkte mit einer Konzentration von maximal 32 Milligramm Koffein pro 100 Milliliter zugelassen. Wenn die Produkte stattdessen als “Nahrungsergänzungsmittel” vertrieben werden, gilt dieses Limit allerdings auch hierzulande nicht. Koffeinhaltige Alkopops sind in Deutschland zwar bisher nicht im Handel, trotzdem sind Mixgetränke aus Energydrinks und Alkohol gerade bei Jugendlichen seit langem ein beliebter und meist als harmlos angesehener Party-Drink.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer gehören diese Fakten nicht nur in die “Ärztezeitung”, die das Thema dankenswerterweise aufgegriffen hat, sondern in die öffentliche Diskussion. Geraden in der Präventionsarbeit mit Jugendlichen und damit der Aufklärung dieser Altersgruppe über Alkohol- und Suchtgefahren sollte dieser Punkt künftig eine Rolle spielen.

Be Sociable, Share!

Autor:
Datum: Montag, 21. Januar 2013 10:33
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alkoholsucht

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben