Drogenbericht: Alkohol bleibt eines der gefährlichsten Gesundheitsrisiken in Deutschland

Die Bundesregierung hat vor kurzem ihren aktuellen Drogenbericht vorgelegt – Grund zu Optimismus lässt sich darin nicht erkennen. Nach wie vor scheinen viele Erwachsene die Gefahren übermäßigen Alkoholkonsums zu unterschätzen – 27 Prozent aller Männer und Frauen respektive knapp zehn Millionen Bundesbürger trinken regelmäßig in riskantem Ausmaß. Auch aus der aktuellen Erhebung geht hervor, dass mindestens 1,3 Millionen Deutsche an einer manifesten Alkoholsucht leiden und jährlich etwa 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs sterben – im Vergleich zu den vergangenen Jahren sind diese Werte also nahezu konstant geblieben.

Der Konsum von zwei bis drei alkoholischen Getränken gehört für viele Deutsche zu ihrem Alltagsritual. Mit diesem Trinkverhalten laufen sie Gefahr, die als wenig riskant geltenden Konsumgrenzen für Alkohol konstant zu überschreiten: Für Männer gelten ein bis zwei Gläser Wein oder Bier pro Tag als unbedenklich, Frauen müssen bei einem täglichen Konsum von nur einem Glas Alkohol auf lange Sicht bereits mit ernsthaften Gesundheitsschädigungen rechnen.

45 Prozent der Männer unter 30 trinkt regelmäßig und zu viel

Der Alkoholmissbrauch in Deutschland fokussiert sich nach wie vor auf junge Männer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. 45 Prozent dieser Altersgruppe trinken regelmäßig oder auch täglich mehr als die gerade noch akzeptable Menge. Dagegen hat sich das Trinkverhalten Jugendlicher im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren seit 2001 deutlich positiv verändert – statt damals 18 Prozent greifen derzeit nur noch 14 Prozent von ihnen regelmäßig zu alkoholischen Getränken. Entwarnung kann jedoch auf für den Alkoholkonsum Jugendlicher noch lange nicht gegeben werden: Das exzessive Trinken in dieser Altersgruppe nahm in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu. Im Jahr 2011 wurden mehr als 26.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 20 Jahren mit einer akuten Alkoholvergiftung in eine Klinik eingeliefert, die Zahl der Mädchen und jungen Frauen überstieg in diesem Kontext erstmals die Zehntausender-Marke.

Auch der Tabakkonsum in Deutschland bleibt trotz recht strikter öffentlicher Rauchverbote und dem Verbot von Tabakwerbung bis auf weiteres zumindest bei Erwachsenen ein Problem, von denen bisher 30 Prozent mehr oder weniger regelmäßig zu Zigaretten greifen. Bei Jugendlichen zeigen die Anti-Tabak-Kampagnen dagegen offensichtlich Resultate: Nur zwölf Prozent von ihnen rauchen – der Anteil jugendlicher Raucher hat sich in der vergangenen Dekade damit mehr als halbiert. Der Cannabiskonsum Jugendlicher ist im gleichen Zeitraum von neun auf fünf Prozent zurückgegangen. Bei anderen illegalen Drogen lieferte der Bericht ein kontroverses Bild. Rückläufigen Zahlen bei Heroin und Amphetaminen stehen konstante Werte für Kokain sowie eine Zunahme des Konsums synthetischer Drogen gegenüber. Die Zahl der Drogentoten in der deutschen Wohnbevölkerung lag mit 988 Fällen im Jahr 2011 auf dem niedrigsten Stand seit 1988.

Gezieltere Frühintervention bei Erwachsenen als Fokus in der Präventionsarbeit

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, forderte jetzt eine gezieltere Frühintervention gegen Süchte durch Ärzte sowie am Arbeitsplatz. Damit sich aus riskanten Konsummustern keine manifesten Abhängigkeiten entwickeln, müssten Präventionsmaßnahmen auch Erwachsenen deutlich früher erreichen als bisher. Die Alkohol-Prävention wird dabei auf absehbare Zeit wohl das zentrale Thema bleiben.

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Datum: Freitag, 31. Mai 2013 11:22
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