Drei Killer auf Europas Straßen: Alkohol, Drogen, Rasen

Auf Europas Straßen sterben bei Unfällen pro Jahr 30.000 Menschen. Entsprechend hoch sind das menschliche Leid und die gesellschaftlichen Kosten. Die EU-Kommission will jetzt durch intensive Prävention und neue Regelungen die Zahl der Unfalltoten durch Alkohol, Drogen oder Rasen um 40 Prozent senken. Bis 2050 hat sich die europäische Initiative “Vision Zero” das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Zahl entsprechender Unfälle mit Todesfolge auf null zu senken.

Auf dem 7. Internationalen Fit-To-Drive-Kongress trafen sich am 25. und 26. April 2013 in Berlin europäische und internationale Verkehrsexperten zu einem professionellen Erfahrungsaustausch zum Thema. Einig sind sich die Experten darüber, dass Fahren unter Alkohol nach wie vor der größte Killer auf der Straße ist. Jeder vierte tödliche Verkehrsunfall in der EU ist auf Alkoholkonsum zurückzuführen.

Bereits “leichte Trunkenheit” verdoppelt Unfallrisiko

EU-weit erhobene Unfall-Daten besagen, dass bereits eine “leichte Trunkenheit” mit einem Blutalkoholspiegel von 0,5 Promille das Unfallrisiko nahezu verdoppelt – in den meisten Ländern definiert dieser Wert die Grenze für legales Fahren unter Alkohol. Bei einem Blutalkoholspiegel von 1,1 Promille ist das Unfallrisiko verzehnfacht, bei 1,6 Promille ist die Unfallwahrscheinlichkeit sogar um 25 Prozent höher.

Der Belgier Koen Ricour, Präsident des europäischen Verkehrspolizei-Netzwerkes TISPOL, wünscht sich deshalb ein europaweit einheitliches Alkohol-Limit von maximal 0,2 Promille, als Polizist würde er zwar null Promille präferieren, was aus politischen und praktischen Gründen jedoch nicht machbar sei. Jan Winum Povlsen vom privatwirtschaftlich aufgestellten US-amerikanischen Präventionsunternehmen “Smart Start”, argumentierte in diesem Kontext, dass der menschliche Körper auch ohne Alkoholkonsum bei der Verdauung selbst geringe Mengen Alkohol erzeuge, so dass eine Null-Promille-Grenze auch aus physiologischen Gründen nicht machbar sei. Sein Unternehmen setzt in den USA auf sogenannte Alko-Lock-Systeme: Wer sein Fahrzeug starten will, muss vorher in ein durch komplizierte Technik personalisierte Alkoholtestgeräte blasen – nach Überschreiten der Promillegrenze springt das Auto nicht mehr an. In den USA seien die Systeme bereits weit verbreitet, in Europa stehe ihrem Einsatz jedoch möglicherweise auch der Datenschutz entgegen, da die Informationen der Geräte zentral gespeichert werden.

Illegale Drogen spielen als Unfallursache im Vergleich zu Alkohol eine weitaus geringere Rolle – laut einer aktuellen Untersuchung stehen nur rund zwei Prozent aller Fahrzeugführer unter Drogen wie Cannabis oder Kokain. Für die Polizei ist es jedoch meist äußerst schwierig, den Drogenkonsum am Steuer zuverlässig aufzudecken. Entsprechende Kontrollen mittels Bluttests sind bisher kompliziert und teuer. Eine Alternative dazu sind derzeit Schweiß- oder Speichelproben, die durch die Polizei direkt am Einsatzort entnommen werden können – auch sie sind teurer als ein Alkoholtests und haben vor Gericht keine Beweiskraft, ermöglichen jedoch, Fahrer unter Drogeneinfluss zunächst aus dem Verkehr zu ziehen.

Rasen – für Europäer bisher “Kavaliersdelikt”

In der europäischen Bevölkerung sind Alkohol und Drogen auf der Straße übrigens kaum gesellschaftlich akzeptiert – entsprechende Präventionskampagnen entfalten hier offensichtlich ihre Wirkung. Zu schnelles Fahren gilt dagegen nach wie vor als “Kavaliersdelikt” – aus Expertensicht überschreiten europaweit rund 40 bis 50 Prozent aller Fahrer regelmäßig die nationalen Tempolimit, etwa 20 Prozent fahren dabei um mehr als zehn km/h schneller als erlaubt. Ein Drittel aller Unfälle mit Todesfolge ist durch diese Raserei begründet. Die europäische Polizei will hier zukünftig auf (noch) striktere Kontrollen und Strafen setzen. Die britische Psychologin Fiona Fylan präsentierte in Berlin außerdem einen Präventionsansatz durch spezielle Kurse für bereits verurteilte Raser, die nach der Teilnahme an ihrer Pilotstudie ein deutlich entspannteres Fahrverhalten zeigten.

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Datum: Dienstag, 30. April 2013 11:42
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