Drastische Preiserhöhungen für Alkohol in Russland

Auch andere Länder haben ihre Alkoholprobleme. Russland ist seit jeher für seinen sehr hohen Alkoholverbrauch bekannt, die Folgen sind dramatisch. Bereits 2009 hatten die International Agency for Research on Cancer, die Europäische Kommission sowie einige britische Stiftungen eine Studie erhoben, aus der hervorging, dass 52 Prozent aller Todesfälle in den Altersgruppen zwischen 15 und 54 Jahren direkt oder indirekt auf Alkohol zurückzuführen ist. Die Lebenserwartung russischer Männer lag aus dem gleichen Grund bei nur 59 Jahren und damit fast zwei Jahrzehnte unter der Lebenserwartung deutscher Männer.

Preiserhöhungen, Verkaufsverbote, Werbebann

Die russische Regierung zog aus dieser Situation jetzt recht strikte Konsequenzen. Am vergangenen Montag und damit unmittelbar vor dem orthodoxen Weihnachtsfest wurden die Preise für gebrannten Alkohol, darunter auch für Wodka, um rund ein Drittel erhöht. Für einen halben Liter Wodka müssen die Russen jetzt mindestens 170 Rubel (rund 4,30 Euro) zahlen, für einen halben Liter “Konjak” werden sogar 250 Rubel (rund 6,30 Euro) fällig. Für Bier, das an Kiosken in Russland rund 40 Prozent des Umsatzes ausmacht, gelten seit dem Jahresanfang strikte Regeln: Der Verkauf ist nur in Läden mit einer Verkaufsfläche von über 50 Quadratmetern und zwischen acht und 23 Uhr legal.

Für Hochprozentiges hat Präsident Wladimir Putin bereits im vergangenen Jahr ein nächtliches Verkaufsverbot erlassen. Zeitgleich trat ein umfassender Werbebann in Kraft. Alkoholische Getränke dürfen seitdem weder in Print- und Online-Medien noch im öffentlichen Raum, sondern ausschließlich in Fachgeschäften beworben werden.

High-Tech-Kontrollen gegen Panscher

Der russische “Rundumschlag” gegen Alkoholmissbrauch richtet sich nicht nur gegen die Konsumenten, sondern parallel auch gegen Panscher. Die hohen Raten bei alkoholbedingten Todesfällen resultieren nicht zuletzt aus minderwertigem und /oder manipuliertem Alkohol. Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte erst vor kurzem aktuelle Zahlen, nach denen weltweit 1,1 Prozent aller Todesfälle bei Frauen und 6,1 Prozent bei Männern unmittelbar durch Alkoholmissbrauch verursacht werden, in Russland liegt diese Rate bei insgesamt etwa 20 Prozent.

Lieferanten von Getränken mit mehr als 25 Volumenprozenten Alkoholgehalt sollten demnächst darauf verpflichtet werden, ihre Alkoholtransporte vorab bei der russischen Regulierungsbehörde für den Alkoholmarkt inklusive aktueller Informationen zu Fahrtrouten und -Zeiten anzumelden. Diese Daten sollen durch Navigationssatelliten überprüft und für die Dauer von fünf Jahren gespeichert werden. Derzeit gelten trotz strengerer Kontrollen in den letzten Jahren etwa 40 Prozent aller in Russland verkauften alkoholischen Getränke als gepanscht.

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Datum: Mittwoch, 9. Januar 2013 10:23
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