Die Folgen der Alkoholkrankheit

In größeren Mengen konsumiert, wirkt Alkohol als Zellgift und schädigt praktisch alle Organsysteme des Körpers. Die Folgen der Alkoholkrankheit sind weitreichend.
Die Verträglichkeit von Alkohol und seine Auswirkungen haben je nach Toleranzlage ein sehr breites individuelles Spektrum. Bei einer Blutalkohol-Konzentration von etwa 3 Promillen zeigen die meisten Menschen das Bild einer schweren Alkoholvergiftung (nach verhaltensdeutlichen Koordinations- und Artikulationsstörungen kommt es zur Beeinträchtigung der Bewusstseinslage, und zwar von ausgeprägter Schläfrigkeit bis hin zum Koma). Ab 5 Promille ist in der Regel mit einem tödlichen Ausgang zu rechnen.
Bleiben bei schweren akuten Vergiftungserscheinungen (Alkoholvergiftung) die nötigen Behandlungsmaßnahmen aus, kann der Rausch tödlich enden, z.B. durch Unterzuckerung, Unterkühlung, Atemstillstand, Ersticken an Erbrochenem etc.

Das Alkohol-Delir: Bewusstseinstrübung mit Verwirrtheit, Sinnestäuschungen, Wahnideen, ggf. Erregungszuständen, meist nach plötzlichem Alkoholentzug. Plötzlich ist es aber nur selten. In Wirklichkeit häufen sich zuvor unmotivierte Schweißausbrüche und morgendliches Erbrechen nach Alkoholgenuss mit dem „dicken roten Kopf”. Das feinschlägige Zittern nimmt zu, die Leistungsfähigkeit schwindet, es drohen allgemeine Schwäche- bzw. Erschöpfungszustände – und Albträume.

Häufig bleibt es aber bei diesem Vorstadium, verstärkt durch depressive Verstimmungen, kurzdauernde Trugwahrnehmungen und ggf. Eifersuchtsideen oder gar epileptische Anfälle (zwischen jedem 10. und 4. Fall?).

Das eigentliche Alkohol-Delir äußert sich in flüchtigen, kurzdauernden, zumeist optischen (Gesichts-)Trugwahrnehmungen, in Verwirrtheits-, aber auch depressiven und Angstzuständen mit wahnhaften Ideen, mit zeitlicher, örtlicher und situativer Desorientierung (während die Orientierung zur Person meist erhalten bleibt, also wer man selber ist). Typisch ist auch eine unruhige, drängende Betriebsamkeit, erhöhte Beeinflussbarkeit, und die erwähnten Sinnestäuschungen: meist kleine bewegte Gegenstände (Käfer, ganz selten aber die berühmten „weißen Mäuse”), dafür öfter Fäden, Fuseln, vor allem Draht usw. Auch Tast-Trugwahrnehmungen sind möglich (Kribbeln durch Käferkolonnen, Schwanken des Bettes, Einstürzen der Wände); und sogar Gehörs-Trugwahrnehmungen: Stimmen, Musik, Straßenlärm. Manchmal werden ganze Szenen halluziniert.

Unangenehm sind auf jeden Fall die körperlichen Störungen wie Schweißausbrüche, hochgeröteter Kopf, rote Augenbindehaut, Schlaf- und Magen-Darm-Störungen (vor allem Brechreiz und Erbrechen) u. a.

Die Alkohol-Halluzinose: depressiv-ängstliche Stimmung, Sinnestäuschungen, vor allem drohende Stimmen usw.

Das Korsakow-Syndrom: seltene Einzelform, heute spricht man eher von „Alkoholdemenz”: Störungen von Gedächtnis, Merkfähigkeit, Orientierung, Auffassung, Spontaneität, Initiative, ferner neurologische Krankheitszeichen usw.

Alkoholbedingte geistige und seelische Einbußen bzw. Veränderungen

Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Konzentration, Gedächtnis, Lernen. Problemlösungen, Vorstellungsvermögen usw.

Alkoholbedingte Persönlichkeitsveränderungen: Angst, depressive Verstimmungen, hypochondrische und hysterische Reaktionsweisen, vermehrte Passivität, Abhängigkeit und geistig-seelische Undifferenziertheit, erhöhte Empfindlichkeit u. a., dazu „unreife Verhaltens- und Reaktionsweisen” (naiv, kindlich, pubertär), Impulsivität, niedrige Frustrationstoleranz und schwaches Selbstwertgefühl, das durch entsprechend großspuriges Auftreten kompensiert werden soll; ferner Störung der Selbstkontrolle und vermehrte Aggressivität, auch Selbst-Aggressivität, d. h. ausgeprägte Selbsttötungsgefahr u.a.m.

Bei den körperlichen Folgen sind es vor allem Funktionsstörungen und Erkrankungen von:

  • Leber
  • Bauchspeicheldrüse
  • Herz- und Kreislauf
  • Muskulatur
  • Nervensystem (Nervenentzündungen)
  • „Alkoholepilepsie”, Gefäßsystem
  • Stoffwechsel
  • Blutbild
  • Endokrinium („innere Drüsen”)
  • Bindegewebe
  • Gebiss
  • ferner vermehrte Entzündungsneigung (Schleimhäute, Kehlkopf, Bronchien, Speiseröhre, Magen-Darm, Bauchspeicheldrüse, Gallenblase, Harnwege, aber auch grippale Infekte), ggf. Intensivierung von Gicht, Zuckerkrankheit, Tumoren, Gefährdung des Ungeborenen u. a.

Haben Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema? Wenden Sie sich an die Gesundheitsakademie Schmidbauer.

Quelle: Uni Ulm

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Datum: Donnerstag, 31. Dezember 2015 10:47
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