Deutschland und Europa globale Spitzenreiter beim Konsum von Alkohol

Beim Konsum von Alkohol sind die Europäer weltweit Spitzenreiter. Allerdings zeigen verschiedene Ländern und Regionen dabei sehr unterschiedliche Trends: In Deutschland ist das Trinkverhalten seit den 1970er Jahren nahezu konstant geblieben, Südeuropäer und Franzosen haben dagegen in den letzten 30 bis 40 Jahren ihren Alkoholkonsum nahezu halbiert. Der Alkoholverbrauch in Osteuropa, Skandinavien und Großbritannien steigt dagegen bisher kontinuierlich an. Insgesamt sind die Trinkgewohnheiten der Europäer jedoch weniger gefährlich als in vielen anderen Weltregionen.

Zu diesen Ergebnissen kam der Dresdner Psychologe Professor Dr. Jürgen Rehm. Zum Weltsuchttag am 26. Juni stellte er in Berlin einen von der Initiative “AktivA” erarbeiteten Bericht zum Alkoholkonsum in Deutschland und Europa vor. “Aktiv A” versteht sich als “Initiative für eine aktive Alkoholtherapie” vor allem bei Erwachsenen – die darin aktiven Unternehmen, Organisationen und Wissenschaftler haben sich unter anderem zum Ziel gesetzt, das Thema “Alkoholsucht” öffentlich zu thematisieren.

Deutschland: 12,9 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr

Als Datenbasis des “AktivA”-Berichtes dienten unter anderem Studien der WHO. Demnach konsumierte der Durchschnittseuropäer im Jahr 2009 12,5 Liter reinen Alkohol. Deutschland lag mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 12,9 Litern leicht über diesem Wert, hinter dem sich beispielsweise rund 800 Flaschen Bier oder 153 Flaschen Wein verbergen. Diese Trinkmenge hat sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten kaum verändert.

Interessant ist laut Rehm die Situation in Südeuropa. Beispielsweise konsumierten die Italiener zu Beginn der 1970er Jahre jährlich rund 19 Liter reinen Alkohol, 2009 war dieser Wert auf nur noch sieben Liter pro Jahr gesunken. Vergleichbare Tendenzen nannte Rehm auch für Frankreich, Spanien oder Portugal. Ursachen dafür sieht Rehm in höheren Preisen, aber auch Veränderungen in Arbeitswelt und Alltagsrhythmus – etwa einer kürzeren “Siesta”. Dagegen wird in Osteuropa, den skandinavischen Ländern, aber auch Großbritannien oder Irland vor allem in den letzten Jahren mehr getrunken – so steigerten die Briten ihren Alkohol verbrauch zwischen 1970 und 2009 von sieben auf knapp elf Liter.

Die europäische Einbettung des Alkoholkonsums in kulturelle Handlungsmuster und “Rituale” hat laut Professor Rehm auch ihre positiven Seiten – anders als hierzulande führe in anderen Regionen nahezu jeder Trinkanlass auch zum Rausch, was besonders hohe Risiken für eine Suchtentwicklung mit sich bringe.

Rauschtrinken: 180.000 Teenager machen es wöchentlich

Entsprechende Trends sind allerdings auch in Deutschland und Europa anzutreffen und hier vor allem mit dem Trinkverhalten Jugendlicher verbunden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) thematisierte erst vor kurzem wieder das sogenannte “Komasaufen”. BZgA-Chefin Elisabeth Pott nannte gegenüber der “Neuen Osnabrücker Zeitung” Zahlen – demnach trinken in Deutschland knapp 180.000 Jugendliche mindestens einmal wöchentlich bis zum Rausch.

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Datum: Mittwoch, 4. Juli 2012 11:53
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